Alles, was ein Regisseur braucht, ist seine Mütze

Publiziert: 28.10.2013
Autor: Andrea Svanbäck
Kategorien: Film

Ich kann gar nicht mehr nachvollziehen, dass mir mein Kram so wichtig war, dass ich versucht habe, mich selbst und mein Glück darin zu finden, stellt Petri Luukkainen fest.

Schon fast ein Jahr ist es her, dass der erste abendfüllende Dokumentarfilm des jungen Regisseurs Tavarataivas (dt. Mein Zeugs) herauskam. Darin verstaute Luukkainen all seine Sachen in einem Container und schloss mit sich selbst einen Vertrag, demzufolge er nur jeweils ein Teil pro Tag wieder herausholen darf − womit sich seine Beziehung zu seinen Sachen entscheidend verändert hat. Heute kauft er nichts Überflüssiges mehr und denkt ökologischer.

Der Regisseur betreibt seine Produktionsfirma Unikino und hat allein damit schon genug zu tun. Der finnische Theatervertrieb von Tavarataivas und inzwischen auch die Theateraufführungen und die Festivals im Ausland schlucken fast seine gesamte Zeit. Auch neue Projekte sind schon in Arbeit. Aber noch nichts Abendfüllendes: Dafür ist gerade nicht die Zeit.

Dem finnischen Dokumentarfilm geht es  Luukkainen zufolge gut. Er lobt, dass immer interessantere und vielseitigere Dokus in schnellem Takt auf den Markt  kommen. Der Dokumentarfilm erfreut sich einer wachsenden Zuschauerschaft, so Luukkainen. Obwohl dergrößte Teil der meistgesehenen Filme noch immer Sportfilme sind, kommen auch interessante Independent-Produktionen ins Bild.

Metsän tarina (dt. Die Geschichte des Waldes), Reindeerspotting und Laulu koti-ikävästä (Finnish Blood Swedish Heart) gehören Luukkainens Ansicht nach zu Finnlands vielversprechendsten Filmen.

Besonders toll sei es, einen Dokumentarfilm im Kino zu sehen. Luukkainen versucht, die Filme mit dem Auge des normalen Zuschauers zu sehen, nicht als Regisseur.

Sehnsucht nach dem eigenen Bett

Auf Sitzplätzen im Zug und in zu weichen Hotelbetten zu schlafen hat ihn gelehrt, sein eigenes Bett zu Hause in Helsinki mehr zu schätzen. Mütze und Halstuch sind Luukkainen vertraute Reisegefährten – sie halten das Gemüt warm.

Und die überflüssigen Dinge?

  Hmm … ich habe kaum noch Überflüssiges, sagt Luukkainen.

Petri Luukkainens Tavarataivas ist am 29.10. und 2.11. auf dem Dokumentarfilmfestival DOK Leipzig und am 30.10. und 1.11. bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck zu sehen.

Übersetzung: Jutta Reipppainen und Johanna Rzehak

Background image