Christian und Rosa ziehen Bilanz…

Publiziert: 21.12.2015
Autor: Christian Ahonen
Kategorien: Gesellschaft, Sonstiges

… nach ihrem Volontariat bzw. Praktikum am Finnland-Institut.

CA-Bild-3_72dpiChristian Ahonen

Als ich im Januar am Finnland-Institut anfing, wusste ich nicht, worauf ich mich einstellen sollte. Ich wusste, dass es dieses Institut gibt, aber das einzig Konkrete war ein kurzer Dokumentarfilm, den ich im finnischen Fernsehen gesehen hatte. Darin wirkte das Institut fast ein bisschen wie das Mumintal, wo Begriffe wie Harmonie, Zusammenarbeit und Kreativität herrschende Themen waren.

Schon ab den ersten Wochen merkte ich, dass dieses Bild tatsächlich stimmte, und wie vielseitig die Arbeit sein würde – Beratung von nach Finnland gehenden Studierenden, Abhalten von Vorträgen, Empfang von Besuchergruppen und das Planen von Programm, um nur einige Aufgaben zu erwähnen. Je weiter das neue Jahr fortschritt, desto vielseitiger wurde der Arbeitsalltag. Die vielen Dienstreisen haben mich wieder erinnert, wie vielseitig Deutschland ist. Die zahlreichen Vorträge und Messeteilnahmen an Hochschulen ermöglichten mir, kleinere Städte wie Eichstätt, Friedberg und Wolfenbüttel zu besuchen, von denen ich zuvor kaum was gehört hatte.

Die Städte, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind, waren Passau, mit den kuscheligen, kleinen Gassen, Aachen mit seiner fast holländische Architektur und Wien mit all den klassischen Gebäuden. Von den Hochschulen waren die RWTH-Aachen, die Universität Wein und die Heinrich-Heine Universität solche, die mich alle irgendwie beeindruckt haben. In Wien die Größe der Uni, mit fast 100 000 Studierenden, die RWTH-Aachen mit ihrer Professionalität und die Heinrich-Heine Uni mit dem enormen Campus.

Ein Besuch war unvergesslich, nämlich der Besuch bei dem europäischen Berufsbildungswerk Euro-BBW in Bitburg, wo ich einen Info-Tag für angehende Praktikanten nach Finnland veranstaltete. Euro-BBW ist ein Berufsbildungswerk für Jugendliche mit physischen und psychischen Beeinträchtigungen und hat Lehrpersonal und Schüler aus verschiedenen Ländern – ein Beispiel gelungener europäischer Zusammenarbeit. Das Interesse, das die Schüler für Finnland zeigten, war beeindruckend. Die gesamte Stimmung und Willkommenskultur war fantastisch und das Berufbildungswerk hatte u.a. einen eigenen Teeladen, Restaurant, Café sowie Reisebüro, die alle von den Schülern betrieben wurden.

Die zahlreichen Besucher und Besuchergruppen des Finnland-Instituts werde ich noch lange im Kopf und Herzen behalten. Es war eine Ehre, so vielen Menschen mit verschiedenen Hintergründen und verschiedenen Alters begegnen zu dürfen, alle mit irgendeiner Verknüpfung zu Finnland. Durch die zahlreichen Gespräche mit den Besuchern und ihre Geschichten hat auch mein eigenes Finnlandbild sich verändert. Manchmal vergisst man einfach, stolz auf sein Heimatland zu sein, und was für einen guten Ruf Finnland in vieler Hinsicht hat. Anderseits darf man auch die Dinge, die Finnland zu einer Erfolgsgeschichte gemacht haben, nicht vergessen, wie gleichberechtigte Bildung und der hohe Stellenwert der Natur.

Das Jahr war auch eine Chance, die kleinen Kulturunterschiede zwischen Finnland und Deutschland zu beobachten, Unterschiede, die auch die Arbeit und die Welt bereichern. In diesen Zeiten, wo die Mobilität von Menschen, sowohl freiwillig als auch unter Zwang, kontinuierlich zunimmt, sind Verständnis, Respekt und gegenseitige Akzeptanz lebenswichtige Fähigkeiten, die dabei helfen, Brücken zu bauen und Vorurteile zu bekämpfen.

Von den vielen tollen Veranstaltungen während des Jahres war wohl das letzte Konzert der Reihe Freigeist mit vier Spitzen-Kontrabassisten der absolute Höhepunkt. Ihre Leidenschaft und Leistung waren während des gesamten Abends stark präsent. Obwohl unsere Räumlichkeiten gemütlich, aber manchmal fast zu klein sind, wäre eine solche Intimität und Nähe zwischen Publikum und Musikern anders kaum machbar. Toll, das die Konzertreihe auch im nächsten Herbst mit anspruchsvollen musikalischen Beiträgen weiter geht.

Eine andere Veranstaltung, die erst langsam Form nimmt, wird die Startup-Veranstaltung International Entrepreneurship Culture à la Helsinki and Berlin sein, die im April in den tollen Räumlichkeiten unseres Kooperationspartners, der European School of Management and Technology ESMT, im alten DDR-Staatsratsgebäude am Schlossplatz stattfindet. Investoren, Startup-Unternehmer und an Kreativwirtschaft Interessierte werden die Möglichkeit haben, darüber zu diskutieren, was Helsinki und Berlin zu so starken ”Startup-Städten” macht. Außerdem wird es darum gehen, was diese zwei Städte voneinander lernen und wie sie noch weitere gemeinsame Brücken bauen können. Dabei werden übrigens auch finnische Musik, Design und leckerer Gin eine wichtige Rolle spielen.

Das zurückliegende Jahr hat mir so viel Energie, Ideen und Motivation für die Zukunft gegeben. Es war eine Freude, in so einem tollen Team mit talentierten Jüngeren und auch „alten Hasen“  zusammenarbeiten zu dürfen. Das Finnland-Institut, sein Personal, zahlreiche Besucher und Kooperationspartner haben tatsächlich eine eigene Version vom „Mumintal“ gebildet, in dem alle ihren Platz haben, so wie sie sind. In so einer Gemeinschaft fühlt sich jeder Tag wie ein Privileg an.

Danke für das tolle Jahr,
Christian

Christian Ahonen war von Januar bis Dezember 2015 als Volontär am Finnland-Institut tätig.

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Rosa Bodenstab

Im Juli zu Hause in Finnland wusste ich noch gar nicht, wie mein Herbst aussehen würde. Was, wie, wo, wie lange, alles war noch ziemlich offen. Studieren wollte ich noch nicht, sondern erst ein „gap year“ halten. Das einzig Wichtige war, dass ich mal etwas ganz anderes ausprobiere nach den 12 Jahren in der Schule und dabei natürlich vieles Neue erfahre und lerne.

Ich habe mich Mitte August ziemlich kurzfristig und spontan am Finnland-Institut beworben, und plötzlich war ich dann auch schon in Berlin. Mitte Oktober begann mein freies Praktikum am Institut, jetzt ist es schon vorbei. Die Zeit verging unerwartet schnell, kein Wunder, wenn man viel zu sehen, lernen und tun hat. Auch wenn mein Praktikum nur gut zwei Monate dauerte, war es sehr spannend, einen Einblick in die Arbeit am Institut zu bekommen und auch selber mitzuhelfen. Da ich nicht nur einen bestimmten Bereich hatte, für den ich zuständig war, habe ich viel Verschiedenes mitmachen können. Zusätzlich zu den normalen und vielfältigen Aufgaben im Institut hatte ich z.B. das Vergnügen, eine längere Zeit im Aufzug stecken zu dürfen; langweilig wurde es also nicht.

Jetzt im Herbst hatten wir auch ziemlich viele Veranstaltungen bei uns am Institut, am besten gefiel mir die Freigeist-Konzertreihe. Ich glaube, dass sowohl die Musiker als auch das Publikum es genossen haben, so intime und intensive Konzerte in unseren relativ kleinen Räumen zu erleben. Jedenfalls fand ich es sehr beeindruckend, es hatte was von kleinen Club-Konzerten, wo das Publikum den Künstlern extrem nah kommt. Außerdem hatten wir hier oft tagsüber schöne Musik beim Arbeiten, dank der Generalproben.

Es war auch sehr interessant zu sehen, was man in Berlin so von Finnland mitbekommt und wie vielfältig die Zusammenarbeit zwischen zwei oder mehreren Ländern sein kann. Berlin als Stadt ist ja auch sehr groß, divers und ständig im Wandel, deshalb gibt es hier so viele Möglichkeiten. Ich fand es lustig zu merken, dass ich in dieser Stadt auf ganz neue Sachen aufmerksam wurde. Plakate oder Flyer von Bands mit finnischen Musikern z.B. habe ich ganz anders bemerkt als früher. Die Menge von Events und Leuten, die etwas mit Finnland zu tun haben, hat mich auch überrascht.

Nicht zu vergessen; das Team am Institut war einfach toll und ich habe vieles von euch allen gelernt, danke! Überhaupt bin ich sehr zufrieden damit, dass ich diese Erfahrung gemacht habe und bin ich gespannt, wie 2016 für das Finnland-Institut und auch für mich selbst aussieht!

Rosa Bodenstab, freie Praktikantin am Finnland-Institut von Oktober bis Dezember 2015.

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