Die Geschichte mit dem Spreepark

Publiziert: 28.08.2013
Autor: Anni Kinnunen
Kategorien: Bildende Kunst

Ich habe mich gefragt, wie man sich anziehen soll, wenn man über einen hohen Zaun klettern will. Sollte ich auch darauf achten, wie ich mein Kleid für das Fotoshooting unauffällig unter meinen Klamotten hervorkriegen kann? Woran ich aber nicht gedacht habe, war was man tun soll, wenn man vom Dobermann des Wächters gejagt wird.

Meine Freunde hatten mir von einem Freizeitpark erzählt, der seit Jahren geschlossen und verwildert ist. Dort will ich fotografieren, dachte ich mir. Eine Gelegenheit dafür bot sich 2010, als ich an der Gruppenausstellung Arctic Heat in Berlin teilnahm. Das Fotoshooting bereitete ich bis ins kleinste Detail vor und las alles Mögliche über die Geschichte des Parks, den Drogenschmuggel, lange Gefängnisstrafen und eben diesen verlassenen Freizeitpark der ehemaligen DDR. Ich recherchierte, wie man das Parkgelände unauffällig betreten kann. Ich sah Bilder von verrosteten  Attraktionen und Fahrgeschäften sowie von mit Naturpflanzen bedeckten Dinosauriern. Es war verwirrend, dass ein so massiver Freizeitpark einfach in der Mitte eines größeren Parkgebietes ruhen kann.

Ich sah etwas besonders Faszinierendes in diesem Ort. Er war perfekt für  mein aktuelles Projekt Personal Landscape, wovon ein Teil sich mit Orten beschäftigt, die die Natur vom Menschen zurückerobert hat.

Mit meinem Partner fuhr ich mit der S-Bahn in die Nähe des Parks. Nachdem wir eine ganze Weile gelaufen waren, schimmerten die Zäune des Parks vor uns. Wir entschieden uns, um das Gelände herumzulaufen um zu sehen, womit wir es zu tun hatten. Durch den Zaun sahen wir verwahrloste Fahrgeschäfte, ein bis zum Himmel reichendes Riesenrad und Plastikschwäne, auf deren Sitzen Gras wuchs. Auf dem Boden lag ein Fuß einer vorhistorischen Eidechse. In meiner Fantasie hörte ich das Lachen von Kindern und den typischen Freizeitparklärm.

Schließlich kam ich auch in den Spreepark hinein. Und dafür brauchte ich diesmal einzig und allein Geld. Ich fühlte mich beinahe enttäuscht, wo ich doch bereit gewesen war, in einem Ninja-Kostüm über den Zaun zu klettern. Während einer bewachten Führung liefen wir durch den Park. Nach einiger Überzeugungsarbeit gab der Wachmann mir im Anschluss 20 Minuten Zeit zum Fotografieren. Das Kleid für das Fotoshooting musste schnell unter den Klamotten raus. Alles war vorher gut überlegt gewesen. Beim Fotografieren habe ich völlig vergessen, dass das Holz unter meinen Füssen morsch war und die Gefahr bestand, dass ich in den Teich zu den Schwänen fallen könnte. Die zugestandene Zeit war um. Ich habe den Spreepark mit einem Dobermann dicht auf den Fersen verlassen: laufend, schnell und mich gleichzeitig anziehend.

Personal Landscape

Meine Ausstellung Personal Landscape (2008−2012) ist vom 5.9. bis 6.11.2013 im Finnland-Institut zu sehen. In der Ausstellungsreihe thematisiere ich die Rolle des Menschen in der Natur. Ich arbeite mit meinem eigenen Körper. Das Fotografieren ohne durch die Linse der Kamera zu schauen macht meine Arbeiten unkontrolliert und lässt dem Zufall eine Chance. Dieses Arbeiten fasziniert und fordert mich.

Über die Spreepark-Bilder hinaus zeige ich in der Ausstellung Werke, in denen wir u.a. ein von Menschen kastriertes Waldgebiet und einen Müllteich sehen, der elementar zur finnischen Landschaft gehört.

Herzlich willkommen zur Ausstellungseröffnung am 4.9.2013 um 19 Uhr, ich werde bei der Eröffnung anwesend sein und gerne Ihre Fragen beantworten.

Übersetzung: Tiia Lamminsalo

Selbstporträt von Anni Kinnunen
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