Ein Blick in die Vergangenheit – und die Zukunft

Publiziert: 21.12.2016
Autor: Sakarias Rantala und Sofia Gruca
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Sakarias Rantala und Sofia Gruca haben das Finnland-Institut in ihrem Volontariat/Praktikum bis Weihnachten 2016 unterstützt. Und haben für uns darüber geschrieben. Vielen Dank dafür!

© Maija Yrjä/ Finnland-Institut

© Maija Yrjä/ Finnland-Institut

Sakarias Rantala

Die Zukunft kann man nicht vorhersehen, aber was „Bauchgefühl“ bedeutet, weiß jeder. Als ich mein Volontariat Anfang Januar 2016 in Berlin angefangen habe, wusste ich gleich, dass ich mich am Finnland-Institut wohl fühlen werde. Was ich aber nicht wusste, war eben gerade, was für ein abwechslungsreiches und erlebnisvolles Jahr ich vor mir hatte. 365 Tage und grob 11.600 km später bin ich aber um einiges klüger.

Dank der Zeit beim Finnland-Institut habe ich Deutschland von der Donau bis an die Nordsee, von Aachen bis nach Leipzig gesehen. Ich habe in München Weißwurst und Bretzeln verzehrt und in Bitburg ein Bitburger getrunken. Ich habe die wunderschönen Altstädte von Nürnberg und Eichstätt gesehen. In Passau bin ich zufällig inmitten der traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten auf dem Marktplatzt gelandet. In Berlin habe ich fast jeden Tag etwas Neues entdeckt. Was mir die Möglichkeit, ein fremdes Land so gründlich anzuschauen, bedeutet hat, kann ich gar nicht genug unterstreichen.

Die unvergesslichsten Momente hatten aber nichts mit Essen, Landschaften oder Traditionen zu tun, sondern mit der Möglichkeit, vielen interessanten und verschiedenen Menschen zu begegnen. Es ist ein unglaublich schönes Gefühl, wenn man die Wirkung seiner eigenen Leistung gleich sehen kann und wenn man merkt, wie die eigene Begeisterung von anderen geteilt wird. Im deutschsprachigen Europa besteht ein Riesen-Interesse für Finnland, und ich hoffe, dass ich meinen kleinen Beitrag dazu leisten durfte, dieses Interesse noch zu vergrößern.

Dieses Volontariats-Jahr hat mir aber nicht nur vieles über Deutschland beigebracht, sondern auch mein Verständnis über meine Heimat Finnland erweitert. Es tut gut, sein bekanntes und heimisches Umfeld aus der Ferne zu betrachten. So sieht man den gesamten Wald und nicht nur die einzelne Bäume, wie man in Finnland sagt. Aus der Entfernung werden auch die alltäglichen Kleinigkeiten, die man früher als Selbstverständlichkeiten aufgefasst hat, wertvoller.

Das Finnland-Institut fördert finnische Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft auf eine freie Weise. Es wird ein vielseitiges und interessantes Finnland-Bild gemalt und es wird vielen Stimmen ermöglicht, Zuhörer zu bekommen. Besonders kleinere finnische Kunst- und Wissenschaftsprojekte wären im deutschsprachigen Europa ohne diese Arbeit gar nicht möglich. Für einen finnischen Nachwuchswissenschaftler kann ein Keynote-Vortrag an einer deutschen Universität viele Türen öffnen, viele spannende professionelle Möglichkeiten schaffen. Für einen deutschen Student en kann die Unterstützung bei der Studiengangssuche dabei helfen, Träume zu verwirklichen, für ein kleines Land wie Finnland bedeutet das vielleicht einem neuen Fan. Auf so eine Arbeit ist es nicht schwer stolz zu sein.

Ich möchte all denjenigen, mit denen ich während dieses Jahres gearbeitet habe, ganz herzlich danken. Es war ein Privileg und jede Erfahrung hat mir viel bedeutet. Besonders möchte ich dem tollen Team des Finnland-Instituts danken: sie haben immer auf mich vertraut und mich unterstützt. Obwohl es in Berlin manchmal ganz schön grau werde kann, ist das Klima im Büro immer sonnig gewesen. Jetzt ist es Zeit für neue Abenteuer, wofür ich mich dank dieses Jahres selbstbewusst und gut ausgerüstet fühle.

Alles Gute!

Sakarias

Sakarias Rantala war von Januar bis Dezember 2016 als Volontär am Finnland-Institut tätig.

Sofia Gruca

IHANA: I wie Inspiration, H wie Harmonie, A wie angenehme Atmosphäre, N wie nette Menschen und A wie angekommen

Von der Idee beflügelt, meiner persönlichen Finnland-Begeisterung Ausdruck zu verschaffen und damit auch weitere Menschen anzustecken, hatte ich schon vor etwa anderthalb Jahren beschlossen, mich für ein Praktikum beim Finnland-Institut zu bewerben.

Das Bewerbungsgespräch fand dann im idyllischen Lübeck statt, da meine zukünftige Betreuerin erfreulicherweise meine Leidenschaft für nordische Filme (im Original, versteht sich) teilt. Die (Film-)Tage in Lübeck sind mir bis heute in sehr guter Erinnerung geblieben. Von der Herzlichkeit und dem Interesse, das mir entgegengebracht wurde, war ich direkt beeindruckt. Und auch als dann das dreimonatige Praktikum tatsächlich begann, wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht, im Gegenteil.

In der Zeit in Berlin durfte ich nicht nur meine Leidenschaft für nordische Filme ausleben, indem ich z.B. finnische Klassiker aus dem umfangreichen Bestand der Institutsbibliothek auslieh oder als Social-Media-„Korrespondentin“ bei der DOK Leipzig finnische Kurzfilme erlebte. Auch war ich bei zahlreichen anderen kulturellen Veranstaltungen des Instituts auf die eine oder andere Weise beteiligt.

Ein Highlight waren Tagung und Lesung zu deutsch-finnischen Beziehungen im November, die einerseits zum Programm des Instituts dieses Jahr (Mobilität) passten, andererseits auch eine Brücke schlugen zum großen Thema „Mobile Home 2017“ nächstes Jahr – Heim/at  im mobilen Zeitalter. Ich durfte nicht nur an der Tagung teilnehmen, sondern auch einen Blogbeitrag zum Buch „Deutschland meine Heimat, Finnland mein Zuhause“ verfassen. Die Thematik des Buches, in dem deutsche Frauen aus unterschiedlichen Generationen zu Wort kommen, die in verschiedenen Regionen Finnlands leben und das Land zum Teil als (zweites) Zuhause sehen, hat mich auch persönlich sehr angesprochen. Es war spannend zu lesen, was die Frauen von ihrem finnischen Leben zu berichten hatten und wie sie sich zwischen der deutschen und finnischen Kultur und Sprache verorteten. Die beiden in Helsinki lebenden Autorinnen dann auch persönlich kennenzulernen, war eine besondere Ehre für mich.

Spannend war es auch für mich als passionierte Hobbyfotografin, die Fotoausstellung Sami Parkkinens „Vater/Sohn“ samt Aufbau durch den Künstler und Vernissage miterleben zu dürfen.

Dankbar bin ich ebenso dafür, beim gänsehaut-beschwörenden Konzert von Mirel Wagner im Rahmen des vom Finnland-Institut organisierten SCOPE-Festivals dabei gewesen zu sein.

Nicht nur die Begegnungen mit den Künstler_innen und Kulturschaffenden, sondern auch mit den Institutsbesucher_innen (u.a. Großmütter, die in Parkkinens „Arvi“ ihren Enkelsohn sahen, finnische Schulklassen oder Saunaforscher) waren interessant.

Neben all den Veranstaltungen war es auch die vielseitige Arbeit „hinter den Kulissen“, die täglich anfallenden „Kleinigkeiten“ in den verschiedensten Bereichen, die mir Spaß bereitete. Ich schätze es sehr, dass man auch als Praktikant_in kreativ werden und sich aktiv mit neuen Ideen einbringen darf.

Es war interessant, jeden Tag auch eine Art Kulturaustausch Deutschland-Finnland im kleinen Kreis miterleben zu dürfen. Die Leichtigkeit, mit der die Menschen am Institut zwischen den verschiedenen Sprachen „switchen“, finde ich sehr beeindruckend und inspirierend. Mein Plan, jeden Tag des Praktikums ein neues finnisches Wort zu lernen, ist zwar leider nicht komplett aufgegangen, jedoch habe ich dank meiner Co-Volontär_innen doch die ein oder andere wichtige Vokabel kennengelernt. Das erste und eigentlich für diese drei Monate ziemlich zutreffende Wort, das mir über den Weg lief, war „ihana“ – wunderbar. Auch lernte ich u.a., wer Tatu und Patu sind (liebe Grüße an die kleinen Stammgäste des Kindermontags!), dass Office-Yoga und ein Office-Dog nahezu unverzichtbare Elemente am Arbeitsplatz sind, und wie toll und berühmt doch Jari Sillanpää ist – einer der bekanntesten (und angeblich sympathischsten) finnischen Musiker, der eines schönen Novembertages in unser Institut spazierte, ohne dass ich es bemerkte… Jaris Besuch und eigentlich die gesamte Zeit am Institut hat mir deutlich gemacht, dass es für mich noch einiges – Neues wie Altes – an finnischer Kultur zu entdecken gibt, und hat meine Lust, weiter darin einzutauchen, nur noch verstärkt.

In meinem ersten Blogbeitrag für das Institut stellte ich die Frage: Ist es möglich, mehr als eine Heimat zu haben? Ja, das ist es durchaus – man kann schon sagen, dass Berlin und vor allem das Finnland-Institut in den drei Monaten zu meinem vorübergehenden Zuhause geworden ist. Zu dem positiven Gefühl des Angekommenseins haben natürlich die Menschen und die entspannte Arbeitsatmosphäre am Institut nicht unerheblich beigetragen. Vom ersten Tag an fühlte ich mich willkommen und als gleichberechtigter Teil des Ganzen.

Ich hatte erwartet, einen kleinen Einblick in die Arbeit eines Kulturinstituts zu erlangen und dabei vor allem mit finnischer Kultur, Kunst und Wissenschaft in Kontakt zu kommen. Mitnehmen werde ich aber so viel mehr. Vielen Dank für die tolle Zeit! Tack så mycket! Thank you very much and kiitos paljon mahtavasta ajasta!

Sofia

Sofia Gruca hat von Oktober bis Dezember 2016 am Finnland-Institut ein Praktikum absolviert.

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