Eine Pendelbewegung erzeugt Klänge – die finnische Oper Aikainen an der UdK Berlin

Publiziert: 2.04.2014
Autor: Andrea Svanbäck
Kategorien: Audiovisuelle Kunst, Musik, Theater

Obertongesang, Atemgesang, Wagner, Rezitatorenstimme – die menschliche Stimme erfährt eine große Variationsbreite bei der experimentellen Oper Aikainen von Miika Hyytiäinen, die am Freitag, den  4.4. in Berlin Premiere haben wird.

Schon seit Wochen probt eine Gruppe von jungen finnischen Künstlern an der Bühne der Alten Mensa der Technischen Universität. In der Luft hängt eine gekurvte Papierkette – auf ein Möbius-Band  wurde eine Note geschrieben.

Die Oper Aikainen ist experimentelles Musiktheater, das spielerisch mit visuellen Künsten, Lyrik und  Film umgeht. Das Stück in fünf Akten befasst sich mit dem Phänomen Zeit in all ihren Facetten, so etwa die Generationen und das Gedächtnis. Das Publikum wird auch live-Kompositionen erleben.

Einige Musikinstrumente wurden eigens für die Inszenierung dreidimensional ausgedruckt, und auch sie werden dem Publikum gezeigt, wenn das Stück am Wochenende aufgeführt wird.

Die Künstler versprechen, es handele sich um eine zusammenhängende, einheitliche Klangwelt, auch wenn das Konzept selbst stark variiert. Hier sollen das Gesehene und das Gehörte zusammenfließen; eine Pendelbewegung bekommt einen eigenen Klang, und auch Zahlen fangen an, Töne zu erzeugen.

– Die Form verwandelt sich in Tonfarbe, erklärt uns Miika Hyytiäinen.

Klingt das rätselhaft? Kein Problem! Die Oper ist voller mathematischer Objekte und konzeptueller Ideen, doch nicht alles soll intellektuell aufgefasst werden.

– Es gibt viele Ideen, die in Gedanken und im Körper weiterleben können.

Experimentelles Berlin

Über den Komponisten Miika Hyytiäinen hinaus werden die Zuschauer außerdem die Instrumentalgruppe Varjo Ensemble sowie zwei Solisten erleben – die meisten von ihnen sind junge finnische Musiker/innen.

Der diplomierte Komponist Hyytiäinen, der unter anderem in Helsinki und Berlin studiert hat, ist begeistert von seiner neuen Wahlheimat. Neu, nun ja: er lebt hier schon seit fünf Jahren.

Berlin will sich als Opernhauptstadt einen Namen machen, und das ist keine Übertreibung. Die Stadt ist im Augenblick die interessanteste und einflussreichste Bühne für Musiktheater.

Gerade deswegen eignen sich die Berliner als ideales Publikum für eher experimentelle Inszenierungen.

Auch Finnland liegt dem Komponisten am Herzen – das hört man auch bei der Oper Aikainen. So wurden die Texte etwa in erster Linie in finnischer Sprache verfasst.

Aufführungen: Fr 4.4. und Sa 5.4., jeweils um 20.00 Uhr, Bühne der Alten TU Mensa. Reservierungen unter tickets@miika.info

Übersetzung: Suvi Wartiovaara

Miika Hyytiäinen Foto © Rainer Christian Kurzeder
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