Finnische Mode erzählt eine Geschichte auf den Straßen Berlins

Publiziert: 1.07.2015
Autor: Meri Holmela
Kategorien: Design, Film

Mirkka Metsola ist eine finnische Modedesignerin, die in Berlin wohnt und deren Kurzfilm The Girlfriend seine Erstaufführung im September auf der Helsinki Design Week haben wird. Später im Herbst wird der Film auch auf der Homepage der Designerin zu sehen sein. Die Hauptdarstellerin (dargestellt von Sara Melleri) lässt ihren Freund zu Hause schlafen, während sie mit ihrer Freundin die nächtlichen Straßen von Berlin unsicher macht. Meri Holmela hat Mirkka Metsola im Vorfeld der Berlin Fashion Week interviewt.

1. Hast du früher schon Erfahrungen mit dem Filmemachen gesammelt? Woher kam die Idee zu „The Girlfriend“?

Ich habe keine frühere Erfahrung mit dem Filmemachen, aber immer schon eine Leidenschaft für Filme. Vor allem visuelle Kunstfilme inspirieren mich. Die Idee zum Film kam vom Berlin-Feeling, das ich mit der Kamera festhalten wollte.

2. Was sagen die Geschichte und Atmosphäre des Films über dich als Designerin und die von Dir entworfene Kleidung aus?

In den Kleidern, die ich entwerfe, spiegeln sich immer die verschiedenen Emotionen, die ich gerade durchlaufe. Im Film treten diese noch besser durch die Bewegung und die Musik hervor. In The Girlfriend hat die Hauptdarstellerin ihre finnische Heimat hinter sich gelassen und ist in das melancholische und etwas „gefährliche“ Berlin gekommen.  In meiner Arbeit hatte ich schon immer eine Neigung zur Melancholie. Meine fröhlichen und bunten Frühjahrskollektionen stehen für das Gegenteil, aber bei den Herbstkollektionen schöpfe ich aus einer dunkleren Seelenlandschaft.

3. Wie kommen die Kleider im Film zur Geltung?

Es handelt sich nicht um einen typischen Fashion-Film, sondern eher um einen Street-Kurzfilm. Wir haben keine eigentlichen Models eingesetzt, stattdessen habe ich mich für glaubwürdige und starke Persönlichkeiten entschieden, die meine Kleidung im echten Leben auf der Straße tragen könnten. Es fühlte sich am natürlichsten an, eine Geschichte zu erschaffen, in der die Kleider mit den Leuten auf Abenteuer gehen – denn so kann man die Produkte in einer Umgebung präsentieren, für die sie eigentlich gedacht sind.

4. Wie wurden die Kleider für die Darsteller_rinnen ausgesucht?

Die Schauspielerin Sara Melleri ist meine Kundin und zu ihrer feurigen Persönlichkeit passen außergewöhnlichere Kreationen. Saras Co-Star ist eine im Club Berghain arbeitende Tattoo-Künstlerin, in deren Look ich starke feminine Rock-Ästhetik reinbringen wollte. Die im Film zu sehenden Haha-Prints sind ironisch gemeint und eine Art Statement zu der Situation, in der sich die Beziehung des jungen Paares befindet.

5. Wie habt ihr die Orte zum Filmen ausgesucht und wie war es, in Berlin zu drehen?

Ich wollte, dass der Film in einer Person, die nicht mehr dort lebt, eine Berlin-Sehnsucht weckt. Es wurden Orte gewählt, die für mein Berlin-Feeling stehen, wie die U-Bahn, die Fotoautomaten und die nächtlichen Straßen von Kreuzberg. Die U-Bahn-Brücke vom Schlesischen Tor bis zum Kottbusser Tor war ein Ort, der mich schon vor 8 Jahren währen meiner Sommer in Berlin begeistert hat. Viel um die Ohren hatten wir bei der Fotoautomaten-Szene, denn das abendliche Kreuzberg war sehr belebt. Obwohl wir Sicherheitspersonal hatten, ist doch der eine oder andere in den Fotoautomat rein und auf die Still-Fotos rauf gekommen, die zum Vermarkten des Films gedacht sind.

6. Was für eine Stadt ist Berlin für eine Designerin?

Berlin ist gut für das Planen und Erschaffen von Dingen, denn hier habe ich mehr Ruhe dafür. Weil Berlin aber doch eine recht arme Stadt ist, mache ich den Großteil meiner Geschäfte in Helsinki. Ich habe gelernt, in Berlin zurechtzukommen, aber ein Büro habe ich in beiden Städten.

7. Wirst du in der Zukunft noch weitere Kurzfilme zu deinen Kollektionen drehen?

Absolut! An diesem Projekt war mein Freund, der Regisseur und Fotograf Fredrik Altinell, beteiligt. Seitdem ich in Berlin bin, hat er mit mir alle meine Katalog- und Lookbook-Shootings gemacht. Als sich herausstellte, dass er auch Filmemachen studiert hatte, kam dieser Kurzfilm zustande und mit Begeisterung planen wir schon das nächste Projekt. Der Kurzfilm bietet viele Möglichkeiten, denn er kann auch mit weniger Aufwand produziert werden, wenn man nur eine gute Idee und die richtigen Leute für die Arbeit hat.

8. Erzählst du uns noch, woher die Inspiration für deine Kleider und Accessoires kommt?

Aus Musik und Filmen, aber konkrete Quellen der Inspiration sind verschiedene Materialien und Personen, für die man gern entwerfen will. Auch die Bedürfnisse der Menschen inspirieren mich sehr. Außerdem ist es sehr wichtig in meiner Arbeit, sich selbst treu zu bleiben und zu verwirklichen. „Ändere dich nicht um jemandes anderen willen, sondern finde eine gemeinsame Sprache.“ Dies ist nicht der einfachste Weg, aber der einzige Weg zum Glück. In Berlin fühle ich, dass ich mit anderen kreativen Leuten die Ausgansposition und Denkweise teile, und deshalb möchte ich hier bleiben.

© Jenni Varjoranta

© Jenni Varjoranta

The Girlfriend
Plot und Regie: Mirkka Metsola & Fredrik Altinell
Kamera, Schnitt und Bearbeitung: Fredrik Altinell
Darsteller_innen: Sara Melleri, Suzan Rinow, Amedeo Siragusa, Olof Ekman
Ton: Musta Jonas
Haar und Makeup: Michelle Wolfe & Jennifer Galle
Assitententinnen: Jenni Varjoranta & Jacqueline Graßmann

Mirkka Metsolas Homepage und Instagram:

http://mirkkametsola.com/


https://instagram.com/mirkkametsolastudio/

Übersetzung aus dem Finnischen: Meri Holmela

Background image