Finnland. Cool. Finnisches Design. Auch cool.

Publiziert: 20.12.2012
Autor: Päivi Tahkokallio
Kategorien: Design

Im letzten Blogbeitrag des Jahres denkt Päivi Tahkokallio über das Alltägliche und das Arktische im finnischen Design nach sowie darüber, warum finnisches Design „cool“ ist. Die Autorin ist Kuratorin und Produzentin der Ausstellung Arktisches Design und Geschäftsführerin der Firma Tahkokallio Design+.

Warum können die Finnen so gut lesen? Weil jeder von uns das Lesen in der Schule lernt, weil die Zeitung früh jeden Morgen im Briefkasten liegt, weil es ein Teil unseres Alltags ist. Aber warum sind die Finnen auch eine Design-Nation?

Aus dem gleichen Grund, aus dem wir lesen lernen: weil es Teil des finnischen Alltags ist. Die wichtigste Botschaft des finnischen Designs ist immer gewesen, dass es unseren Alltag verbessern und allen zugänglich sein soll.

Design hat leicht einen elitären Touch, nicht wahr? Es wird für zu schick und fremd gehalten, für etwas, was sich nur Wohlhabende leisten können. Ich kann nicht sagen, dass es in Finnland kein elitäres Design gäbe – klar gibt es das. Aber, wo sonst auf der Welt findet man das auch international betrachtet bekannteste Design genau in dem Supermarkt, wo man täglich sein Essen und seine Zahnpasta einkauft? In denselben Einkaufskorb kommen auch Milchtüten, Waschmittel, eine Savoy-Vase des finnischen Designers Alvar Aalto, eine Schere von Fiskars, Gläser von Kaj Franck und Servietten von Marimekko. Und das sowohl in der Hauptstadt Helsinki als auch in den Supermärkten von Kittilä oder Inari im hohen Norden.

Deswegen war es so schön, dass das Weltdesignhauptstadt-Jahr in Helsinki und den Partnerstädten in der Hauptstadtregion alltägliches Design zum Thema nahm – embedding design in life. Für Finnland mag es selbstverständlich sein, aber so ist es anderswo noch selten. Und auch für uns Finnen ist es eigentlich nicht selbstverständlich: Wir sind noch weit davon entfernt, dass der momentan vielleicht interessanteste und wichtigste Ansichtspunkt des Designs, das Design der Dienstleistungen, eine ebenso klare Sache ist wie die Top-Designprodukte in Supermärkten.

Finnisches Design ist cool. Das ist es auch im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Drittel des Landes liegt nördlich vom Polarkreis, im kalten, arktischen Gebiet. Diese Region hat rasch an Interesse gewonnen – aus wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Gründen. Am meisten wird das Thema wohl in Bezug auf die Umwelt besprochen: wenn sich das Klima erwärmt, wirkt sich dies in der arktischen Region doppelt so stark aus wie in der restlichen Welt. Eine Klimaveränderung von einem Grad bedeutet dort zwei Grad und so weiter. Wir brauchen Design auch, wenn wir Herausforderungen für das arktische Gebiet – nicht nur für das finnische Lappland – begegnen wollen.

Auch aus diesem Grund wurde die Ausstellung „Arktisches Design“ für das Finnland-Institut in Berlin zusammengestellt. In Lappland haben Firmen eine starke Beziehung zur arktischen Umgebung – oft wird die Natur für die Bewohner Lapplands auch dann als Quelle großer Inspiration gesehen, wenn die Beziehung zur Natur aus der Sicht des Geschäftsbetriebs nur indirekt ist. Aus dieser Beziehung entsteht auch die Achtung vor der Verwundbarkeit der arktischen Region – Design soll als Interpret dieser verwundbaren Beziehung dienen. Das Arktische kann nur nachhaltig entwickelt werden und arktisches Design kann dadurch nur nachhaltiges Design sein.

Gerade hier kristallisiert sich der Kern finnischen Designs heraus: aus dem Streben nach einem besseren Alltag und der Achtung vor der verwundbaren  nordischen Natur sowie deren Interpretation. Beides ist uns Finnen sehr wichtig. Sehr cool.

Finnischer Originaltext: Päivi Tahkokallio, Geschäftsführerin, Tahkokallio Design+, Kuratorin und Produzentin der Ausstellung Arktisches Design

Übersetzung: Maria Lahdenranta

Öffnungszeiten der Ausstellung am Finnland-Institut:
20.12. 11-19 Uhr
21.12. 9-15 Uhr
7.-11.1. Mo 10-17 Uhr, Di-Do 11-19 Uhr, Fr 9-15 Uhr (Bitte beachten Sie, dass das Finnland-Institut über Weihnachten und den Jahreswechsel vom 24.12.2012 bis 4.1.2013 für Besucher geschlossen ist!)

Die Ausstellung wird vom 18.-24.2.2013 auch im Rahmen der Rovaniemi Design Week zu sehen sein.

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