Gegensätze sind anziehend

Publiziert: 26.01.2016
Autor: Celia Hillo
Kategorien: Bildende Kunst

Die finnische Künstlerin Ida Koitila sieht sich als „Collagenkünstlerin“, die gern ihre Umgebung wechselt, um neue Eindrücke zu sammeln. Ihr Weg führte sie von Schweden nach Finnland und von dort aus nach Deutschland, mit vielen Zwischenetappen. Aktuell arbeitet sie an der Ausstellung crash of air, deren Vernissage am 28. Januar im Finnland-Institut stattfindet.

Koitila zog 2011 nach Berlin, nach dem Abschluss ihres Studiums an der Akademie für Bildende Künste in Helsinki.

– Man erkennt Berlin in meiner Kunst wohl als eine gewisse Urbanität: In meinen Kunstwerken sind beispielsweise Steine und Nuancen von Streetart vorhanden. Es besteht auch eine Verbindung zu meiner Kindheit an der Westküste Schwedens. Die Naturnähe meiner Kindheit und die Berliner Urbanität verbinden sich in meiner Arbeit auf paradoxe Weise; hier zu arbeiten hat diese Gegensätze zum Leben erweckt.

Koitila meint, sie begreife oft erst im Nachhinein, wie die Umgebung unbewusst ihre Arbeit beeinflusst haben mag.

– Die Werke können viel verraten, denn sie erzählen davon, wo ich sowohl geografisch als auch gedanklich gewesen bin.

Als Beispiel nennt sie ihr eigenes Atelier in der Kunstfabrik HB55, ein riesiges Backsteingebäude in Lichtenberg und früheres Margarinewerk.

– Eines Tages habe ich festgestellt, dass ich angefangen hatte, Backsteine als Baumaterial zu benutzen. Manchmal ist mir auch aufgefallen, wie die Farbe vom Hemd meines Freundes Einfluss darauf ausgeübt hat, mit welcher Farbe ich gearbeitet habe.

Signifikant in ihrer Kunst sind, wie sie sagt, die Bandbreite an Materialien und deren vielseitige Bearbeitung. Ida Koitila sucht in den Materialien gern Gegensätze, und ihrer Meinung nach sollte Kunst auch das Denken aktivieren.

Sich selbst beschreibt Koitila sie als jemanden, der leicht unruhig wird. Immer wieder ist Tapetenwechsel ihr wichtig, da er neue Eindrücke und Herausforderungen mit sich bringt.

Momentan befindet sich Koitilas Zuhause in Berlin, aber sie fühlt sich auch in Finnland und in Schweden heimisch.

– Ich habe viele Zuhauses, aber ich sehe sie alle als eins -– wie eine große Wohnung mit vielen Zimmern. Ab und zu verbringe ich Zeit in der Küche, manchmal im Wohnzimmer. Schweden sehe ich vielleicht eher als Lagerraum, den man nicht so oft aufsucht.

Ist das Leben denn unterschiedlich in den verschiedenen Zimmern? Die Sache ist nicht so einfach. Die verschiedenen Umgebungen bringen durchaus verschiedene Eindrücke hervor, aber laut Koitila läuft ihr künstlerischer Prozess immer ähnlich – was nichts anderes als einsames Arbeiten im Atelier bedeutet. Aber das „Berliner Zimmer“ ist auch auf andere Art vertraut:

– In Berlin habe treffe ich sogar dieselben Menschen wie zu meiner Studienzeit in Helsinki -– sowohl Kommilitonen als auch Dozenten.

Das Gespräch führte Celia Hillo.

Übersetzung aus dem Finnischen: Heidi Santakari

Ida Koitilas Website

Foto: Patrick Neuhaus
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