Balanceakt in der Kunstwelt

Publiziert: 8.09.2016
Autor: Celia Hillo
Kategorien: Bildende Kunst

Olli Piippo und Marcus Eek sind Künstler-Kuratoren, deren wichtigste Werkzeuge ihre Leidenschaft und Intuition sind. Sein neuestes Projekt verwirklicht das produktive Duo gemeinsam mit dem Finnland-Institut in Deutschland.

2013 fand in Stockholm im Rahmen der Messe für Moderne Kunst eine außergewöhnlich gute Party statt – beziehungsweise eine Ausstellungseröffnung, wie immer man es nennen will. Die Rede ist von der ersten Ausstellung des Künstler-Kollektivs Black Market, die unzählige Besucher begeisterte.

– Wir wollten dabei sein, den Berliner-Geist verbreiten und unsere Spuren auf der Messe hinterlassen, erzählt mir der Künstler Marcus Eek in seinem Atelier am Kottbusser Tor in Kreuzberg.

An den Wänden hängen noch nicht fertig gestellte Werke und der Boden ist gesprenkelt von Farbe. Der große Raum im Dachgeschoss bietet Ruhe vor dem geräuschvollen Treiben draußen auf der Straße, gleichzeitig aber auch die Möglichkeit für Gesellschaft. Denn auf der anderen Seite der Wand malt der Künstler Olli Piippo, einer der Gründerväter von Black Market.

– Die anderen Künstler nahmen die Ausstellung damals viel ernster als wir. Wir wollten in erster Linie eine tolle Party, ganz im Berlin-Flair veranstalten… aber natürlich war auch die Ausstellung selbst richtig gut! lacht Marcus Eek.

Im Nachhinein stellte das Künstler-Kuratoren-Duo fest, dass mit wenig Mühe und Ehrgeiz etwas ganz Besonderes entstanden war. Das gab viel Inspiration zum Weitermachen mit und Entwickeln von Black Market, in dessen Rahmen sie nun die zehnte Ausstellung, Pleasure Principle, im Finnland-Institut in Deutschland eröffnen werden. Elf Künstler_innen aus fünf Ländern sind diesmal dabei – aus Finnland sind zusätzlich zu denen von Olli Piippo auch Werke von Heikki Marila und Hannaleena Heiska zu sehen.

Piippo und Eek beschreiben die Geburt von Black Market als Wendepunkt ihrer eigenen Laufbahn in Berlin. Endlich war das Gefühl verschwunden, wie ein Erstklässler etwas verloren auf dem Schulhof zu stehen und den Großen beim Spielen zuzusehen.

Black Market ist der Grund dafür, dass ich mich heute wie ein Berliner fühle, meint Piippo.

Er kam 2007 als Austauschstudent der Helsinkier Kunstakademie nach Berlin und ist seitdem geblieben. Eine Rückkehr nach Helsinki fand nicht statt und der Medienkunststudent begann sich voll und ganz der Malerei zu widmen. Marcus Eek wiederum zog bereits in den 90er-Jahren nach seinem Studium an der Kunsthochschule in Stockholm nach Berlin, als die Raves noch in der Luft lagen und das Wohnen nicht viel kostete.

– Ich fühlte, dass ich ganz von vorne anfangen konnte und ganz frei war. Ich besorgte mir eine große Wohnung und malte pausenlos, erinnert er sich.

Die Balanceakt zwischen dem Künstlersein und der Rolle als Kurator war nicht immer leicht, und zwischendurch nahm letzteres Überhand. Black Market entwickelte sich in Hochgeschwindigkeit weiter, so Piippo.

– Ab einem bestimmten Punkt fingen wir an, von immer größeren Räumen und Künstlern zu träumen, und für das Malen selbst, was für uns beide die wichtigste Sache ist, schien fast keine Zeit mehr zu bleiben.

Eek zufolge war der Rollentausch trotzdem eine erkenntnis- und lehrreiche Erfahrung in Bezug darauf, wie sich ein Künstler gegenüber einem Kurator verhalten sollte. Zusätzlich haben die Jahre mit Black Market ihm geholfen, die Kunstszene und die darin geltende Hierarchie auf eine ganz neue Art und Weise zu verstehen als zuvor.

– Es war sehr interessant und teilweise auch etwas beängstigend zu sehen, wie viel Einfluss die Kuratoren haben, sagt Eek.

Am Beginn eines neuen Black Market-Ausstellungsprojektes pflegen Eek und Piippo sich zusammenzusetzen, um eine Liste mit Namen von Künstlern zu erstellen, mit denen sie gern zusammenarbeiten würden. Und in dieser Phase gibt es keine Grenzen. Oft erscheinen auf dieser Liste Künstler, deren Arbeiten sie vor kurzem gesehen haben, ohne das weite Netzwerk der nordischen Länder zu vergessen.

– Unsere Künstler- und Objektauswahl beruht auf Ehrfurcht und tiefer Bewunderung. Wir möchten unsere Ausstellung auf Kunst aufbauen, die unsere Herzen berührt, so Eek.

Die Wandnachbarschaft bietet Piippo und Eek eine gute Gelegenheit, sich sowohl über ihre eigenen Projekte als auch über Kunst im Allgemeinen auszutauschen. Der aktive Gedankenaustausch erleichtert die Zusammenarbeit, genauso wie das durch die langjährige Freundschaft aufgebaute Gefühl für die Stärken und Schwächen des anderen.

– Wir haben beide sehr ähnliche ästhetische Präferenzen und die gleiche Annäherungsweise an den Kurator. Wir diskutieren nicht über die Kunst, sondern wissen, was wir präsentieren wollen und auf welche Weise, sagt Piippo.

Text: Celia Hillo
Übersetzung aus dem Finnischen: Johanna Meinel

Das Finnland-Institut lädt herzlich ein:
16.9.–27.10.2016 Ausstellung: Black Market. Pleasure Principle
13.10.2016 Podiumsdiskussion: When and why to choose an artist as a curator?

Olli Piippo und Marcus Eek im Studio des Black Market Collective. Foto: Celia Hillo
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