Lernen und lernen lassen

Publiziert: 3.04.2014
Autor: Simo Vassinen
Kategorien: Bildung, Gesellschaft, Politik

Laut der neuesten PISA-Studie sind finnische Jugendliche die besten ProblemlöserInnen Europas. Positiv ist auch, dass weder der Bildungshintergrund noch der sozioökonomische Status der Eltern ein Einfluss auf die individuellen Ergebnisse zu haben scheint. Die Problemlösungskompetenz wurde auch als ein Kernelement des Finnischen in dem 2010 veröffentlichten Bericht über die Marke „Finnland“ Tehtävä Suomelle („Die Aufgabe für Finnland“) hinzugefügt.

Lernen und Alltagskreativität sind laut der zuständigen Strategiegruppe besonders finnische Fähigkeiten, die auch in der Zukunft zum Wohlstand beitragen können. Die Motivation, Neues zu lernen und Probleme zu lösen ist im Schulalter ausschlaggebend, und sie bleibt es auch im Arbeitsleben. Denn nur dann ist man in der Lage, den Zusammenhang zwischen der eigenen Handlung und der umliegenden Welt zu verstehen.

Während die öffentlichen Mittel und Naturressourcen immer knapper werden, wächst das Know-How ständig. Beschleunigt wird der Prozess sowohl durch die digitale Kommunikation als auch durch neue Wege des Teilens von Wissen oder Inhalten. Zukünftig wird das Teilen des individuellen Know-hows eine wichtige Ressource sein. Wir müssen lernen, anderen etwas beizubringen.

Das im August 2012 in Helsinki veranstaltete KouluSchool-Festival hat die Grenze des Lehrens und Lernens gebrochen. Im Laufe eines sommerlichen Wochenendes haben 200 LehrerInnen und 700 SchülerInnen durch die Pop-Up-Schule zueinander gefunden. Alle durften unterrichten was sie wollten, das Angebot reichte von Schwimmtechnik bis Sokratischem Dialog, von Klangpoesie über Landkartengestaltung bis hin zu der Einführung in das Vollzeit-Papa Sein. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass durch die Befreiung des Lehrens und Lernens eine enorme Kraft der Begeisterung freigesetzt wird.

Diese Begeisterung (sowie die anfangs genannten Problemlösungskompetenzen) werden gebraucht, wenn man sich die weiteren Teile der PISA-Ergebnisse anschaut. Eine beunruhigende Tendenz in den finnischen Schulen ist, dass die SchülerInnen mit Migrationshintergrund deutlich niedrigere Punktzahlen erreichen als die finnischen Kinder. Könnte das Voneinanderlernen („peer-learning“) der Schlüssel sein, um unterschiedlichste SchülerInnen zusammen zu bringen? Wir alle können etwas, was auch jemand anders lernen möchte – und alle können lernen zu unterrichten.

Simo Vassinen ist Forscher und Journalist und lebt in Berlin. Er hat 2008–2012 im Think-Tank Demos Helsinki gearbeitet, der das erste KouluSchool-Festival veranstaltet hat. Das Finnland-Institut in Deutschland wird am 4. und 5. April Lernschwärmen-Festival organisieren, das erste KouluSchool-Festival außerhalb Finnlands.

Übersetzung: Jutta Reippainen

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