Zurück zur Unschuld

Publiziert: 31.10.2016
Autor: Maija Yrjä
Kategorien: Bildende Kunst

Die Ausstellungssaison des Finnland-Instituts im Herbst 2016 wird durch eine ganz besondere Fotoausstellung gekrönt: Vater/Sohn von Sami Parkkinen. Darin geht es um die Beziehung zwischen Vater und Sohn, wobei Parkkinens Sohn Arvi die Hauptrolle spielt. Der intensive Blick des kleinen Jungen zog manch einen Zuschauer bereits in Paris und London in seinen Bann, und nun ist Berlin an der Reihe. Im Vorfeld der Ausstellung schildert der Künstler seine Sicht auf Elternsein, Kindheit und Zukunft, wie es zur Idee zu Vater/Sohn kam und was er seinem Sohn Arvi mit seinen Fotos überhaupt sagen möchte.

Der Fotograf Sami Parkkinen, geboren 1974 in Helsinki, zählt zu den bemerkenswertesten und interessantesten Vertretern der finnischen Fotokunst. In seinen Arbeiten beschäftigt er sich oft mit der menschlichen Seele und dem Menschsein – Themen, die universellen Charakter haben und überall auf der Welt auf Interesse gestoßen sind. Bei der Ausstellung Vater/Sohn liegt das Augenmerk explizit auf der Beziehung zwischen Vater und Sohn, die im Vergleich mit der Beziehung zwischen Mutter und Kind eher selten im Fokus steht. Auf dieses Thema kam Parkkinen durch ein alles revolutionierendes Erlebnis: Die Geburt seines Sohnes Arvi veränderte alles, auch seine künstlerische Herangehensweise.

– „Die Geburt eines Kindes und das Vatersein verändern das Leben vollständig. Das Kind öffnet dem Erwachsenen auch einen Weg zurück zur eigenen Kindheit und zur Unschuld. Das ganze Projekt Vater/Sohn entstand durch einen Zufall, als Arvi, damals etwas über ein Jahr alt, etwas auf einen Print, der auf dem Tisch lag, kritzelte. Dieses ,Urbild‘ stellt eine auf einer Rolltreppe fahrende Person dar, hinter der leere Werbetafeln zu sehen sind. So fing alles an: Was sehen die Augen eines Kindes, und was sehen die Erwachsenen erst gar nicht?“

Aufnahmen von Sami Parkkinen wurden bereits in zahlreichen Museen und Galerien sowie auf Festivals gezeigt, so etwa im Anna Achmatova-Museum in St. Petersburg und auf dem Festival Circulation(s) in Paris sowie in der National Portrait Gallery in London, wo der internationale Durchbruch des Zyklus Vater/Sohn erfolgte. Das Porträt Arvi, auf dem der Sohn des Fotografen einen übergroßen Mantel trägt und mit seinen großen Augen in die Ferne schaut, prägte bald das Straßenbild Londons. Dabei war dieses Porträt ursprünglich Ergebnis eines klassischen Verkleidungsspiels gewesen:

– „Arvi und ich haben Fotostudio gespielt, und vor der eigentlichen Aufnahme haben wir einfach herumgealbert und viel gelacht. Auf einmal wurde Arvi ganz ernst und schaute zum Fenster hinaus. In der Aufnahme steht das Kind für Optimismus, während der Mantel stellvertretend für die Welt der Erwachsenen steht. Kinder sind in der Lage, sich für praktisch alles zu begeistern, sie sind noch nicht sarkastisch oder zynisch, anders, als es in der Welt der Erwachsenen oft genug der Fall ist. Mir bereitet es Sorge, wann mein Kind wohl wahrnehmen wird, dass es in der Welt so viel Unangenehmes gibt, wie Krieg, Gier und Bosheit.“

Durch das Kind änderte sich nicht nur Parkkinens künstlerische Herangehensweise, sondern auch seine konkrete Arbeitsweise. Eine Idee war, Arvis Zeichnungen auf Sami Parkkinens Fotos zu kleben.

– „Ich möchte mein Projekt nicht an ein überflüssiges Regelwerk oder an eine bestimmte Bildsprache binden, sondern dafür sorgen, dass meine Bildsprache möglichst frei und positiv anarchistisch bleibt. Vor Arvis Geburt war mein Stil visuell extrem pedantisch, bis ich es satt hatte und anfing, neue Wege des Arbeitens auszuprobieren. Zunächst sollte es nur ein kleines Experiment sein, als ich Arvi erlaubte, die Fotos zu bemalen, um zu sehen, was er von den Bildern hält. Ich musste nicht mehr auf die andere Seite der Welt aufbrechen, um etwas visuell festzuhalten, sondern konnte mich mit den gleichen Themen auseinandersetzen, indem ich mit meinem Sohn zu Hause arbeitete.“

Die Bilder von Arvi haben überall auf der Welt große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Porträt Arvi befindet sich in Finnland schon in zwei Sammlungen, im Museum für Fotografie in Helsinki und im Serlachius-Museum. Auch aus der Ausstellung in Paris wurde ein Abzug an private Sammlungen verkauft. Es sind, nach Berlin, auch noch weitere Stationen für die Ausstellung vorgesehen, und es gibt noch weitere Pläne: Der renommierte deutsche Kehrer Verlag wird im Frühjahr 2017 einen Band herausgeben, der die wichtigsten Aufnahmen umfasst und für den internationalen Markt vorgesehen ist. Außerdem hat Parkkinen vor, mit Arvi noch weitere Foto-Sessions im Rahmen von Vater/Sohn zu machen – so lange sich das richtig anfühlt.

– „Arvi interessiert sich schon sehr für die Fotos und das Fotografieren, aber schließlich ist er ein Kind und mag sich nicht die ganze Zeit das Gleiche anschauen – es gibt doch so viel anderes Spannendes in der Welt. Wenn Arvi groß ist, hoffe ich, dass er sich mithilfe des Buches und der Aufnahmen daran erinnern kann, wie es war, ein Kind zu sein. Durch meine Fotografien wird er hoffentlich eines sehen: dass sein Vater ihn liebt.“

Text: Maija Yrjä
Übersetzung: Suvi Wartiovaara

Die Ausstellung Sami Parkkinen – Vater/Sohn ist vom 4.11.2016–17.1.2017 im Finnland-Institut in Deutschland zu sehen.

Links zu Sami Parkkinen und Vater/Sohn:
www.samiparkkinen.com
www.galleriaheino.com

Pirate, © Sami Parkkinen. Pigment print on aluminum, oak frame, museum glass

Kommentare

2 Kommentare

  1. 05.11.2016—16:26 schlender says:

    Bitte nennen Sie die Öffnungszeiten für die Ausstellung

  2. 17.11.2016—14:34 Marion Holtkamp says:

    Sehr geehrte Frau oder Herr Schlender,
    Sie finden die Öffnungszeiten über die Verlinkung unterhalb des Beitrags: Mo-Mi 11-17 Uhr, Do 11-19 Uhr, Fr 11-15 Uhr. Die Ausstellung ist allerdings am 18.11., am 5. und 6.12. sowie vom 22.12.2016 bis 4.1.2017 geschlossen.
    Herzlich willkommen direkt gegenüber vom Bahnhof Friedrichstraße!
    Ihr Finnland-Institut

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