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Musikgeschichte

Mittelalter


Mittelalterliche Wandmalereien (15. Jh.). Kirche von Lohja. Mittelalterliche Wandmalereien (15. Jh.). Kirche von Lohja.

Allmählich entsteht ein Bild

Die Anfänge der finnischen Kunstmusik reichen wohl bis ins 12. Jahrhundert zurück, als die christliche Kirchenmusik nach Finnland gelangte. Die frühesten Zeugnisse darüber, wann der in Europa entstandene mehrstimmige Kirchengesang Finnland erreichte, stammen erst aus dem 14. Jahrhundert. An den herzöglichen Höfen jener Zeit wurde nur gelegentlich musiziert, und erst im 15. Jahrhundert finden sich häufiger Erwähnungen von fahrenden Musikanten.

Der musikalische Einfluss des schwedischen Königshofes erstreckte sich auch auf Finnland. Zumindest dann, wenn ein Mitglied der königlichen Familie Turku, die älteste Stadt Finnlands, besuchte, gehörte zur Entourage eine Musikgruppe, die manchmal mehr als zehn Musikanten umfasste.

Der gregorianische lateinische Kirchengesang verbreitete sich in Finnland durch mündliche Überlieferung. Weil es keine schriftlichen Quellen gibt, fehlen auch genaue Kenntnisse über die frühe Musikpraxis in den Klöstern und darüber, wie in den Kirchen des Mittelalters gesungen wurde. Große Kirchenchöre gab es im Mittelalter in finnischen Kirchen nicht. (PH)

Gregorianischer Gesang

Von Toivo Haapanen, dem ersten wichtigen Musikwissenschaftler, der sich mit dem finnischen mittelalterlichen Kirchengesang beschäftigte, stammt die zentrale Theorie, dass die Wurzeln des katholischen Gesangs in Finnland hauptsächlich im heutigen Grenzgebiet zwischen Deutschland und Frankreich, insbesondere im Erzbistum Köln, lagen. Eigentlichen deutschen Einfluss kann man in Melodien aus Viipuri/Wiborg im damaligen südöstlichen Finnland erkennen, was – nach Haapanen – aus dem Faktum erklärbar ist, dass Viipuri/Wiborg an der Route der Hanse lag.

Haapanens Theorie ist auch heute noch aktuell, obwohl in den letzten Jahren die Untersuchung wichtiger Quellen hinzugekommen ist. Haapanen legte seine Theorie in seiner deutschsprachigen Dissertation Die Neumenfragmente der Universitätsbibliothek zu Helsingfors (1924) vor. In seinem Buch Suomen säveltaide („Die Tonkunst Finnlands“, 1941) heißt es (S. 8–10): „Die Art der Neumenschriften wie der liturgische Inhalt der Bücher beweisen, dass sie aus dem unteren Rheingebiet stammen, aus der kirchlichen Machtsphäre Kölns, zu dem das heutige Nordwestdeutschland, Holland und ein Teil Belgiens gehören. (...) Wir können sicher sein, dass jene alten, in den Grenzgebieten zwischen Deutschland und Frankreich gelegenen Kulturregionen auch ein wichtiger Ausgangspunkt für unsere älteste geschichtliche Musikkultur sind.“

„Die so genannte gotische Notenschrift, die für den deutschen Sprachraum kennzeichnend war, findet man nur in relativ wenigen Gesangbüchern, und es scheint, dass diese fast ausschließlich aus Ostfinnland stammen. (...) Da wir wissen, dass die Handelsroute der Hanse längs des Finnischen Meerbusens nach Tallinn und Viipuri ging, liegt der Gedanke nahe, diesen Einfluss im Bereich der Kirche mit dem Einfluss der alten Handelsbeziehungen zu verbinden.“ (MH)

Eine neue Blütezeit der mittelalterlichen Musik

Die deutsche Äbtissin Hildegard von Bingen (1098–1179) war eine der bedeutendsten Frauen ihrer Zeit. Die finnische Sängerin Pia Skipdahl, die sich in den letzten Jahren auf die Interpretation der mittelalterlichen Bingener Gesänge spezialisiert, sieht darin „künstlerische wie geistliche Einheit, mit der sich zugleich beruhigende, pflegende und belebende, ja sogar heilende Elemente verbinden“.
Auch der gregorianische Gesang hat eine Wiederbelebung erfahren. Er wird in Finnland mehr als je zuvor erforscht; in den letzten Jahren wurden mehrere Vokalensembles und Festivals gegründet, die sich auf gregorianischen Gesang spezialisieren.

Die ersten Orgeln

Ende des 15. Jahrhunderts gab es in nahezu jeder deutschen Stadt Orgeln. Über finnische Orgeln dieser Zeit gibt es keine sicheren Erkenntnisse; kleinere Orgelpositive dürfte es in einigen Kirchen gegeben haben. Wahrscheinlich wurde nicht einmal im Dom von Turku vor 1550 eine größere Orgel verwendet. Die erste Erwähnung der Orgel des Wiborger Doms findet sich erst 1601 – diese „kunstvoll gearbeitete Orgel“ verbrannte jedoch, und „deutsche Tischler“ erbauten eine neue. Später wurden Orgeln in Schweden und in Deutschland, u.a. in Lübeck, bestellt. (PH)