Deutschland öffnete die Türen
Die Bedeutung der deutschen Opernkultur für den Gesang in Finnland kann man kaum genug hervorheben. Lea Piltti beispielsweise stieg in den 1930er-Jahren rasch zu einer der führenden Koloratursopranistinnen in Mitteleuropa auf. Sie arbeitete u.a. an der Staatsoper Berlin und machte zahlreiche Aufnahmen am Rundfunk Leipzig.
In den 1960er- und 1970er-Jahren war Deutschland das Sprungbrett für große Bässe wie Martti Talvela und Matti Salminen, denen in Deutschland jeweils der Titel des Kammersängers verliehen wurde.
Für alle finnischen Sänger von Rang waren Deutschland und Mitteleuropa wichtig für ihre Karriere. Zur derzeitigen Weltspitze gehören die Sopranistinnen Soile Isokoski, Karita Mattila und Camilla Nylund, die Mezzosopranistin Monica Groop, der Tenor Jorma Silvasti, die Baritone Tommi Hakala, Jorma Hynninen, Tom Krause und Juha Uusitalo sowie die Bässe Jaakko Ryhänen und Matti Salminen.Einspielungen in Deutschland
Die deutsche Schallplattenindustrie und das Verlagswesen haben auch für die finnische Musikindustrie die Grundlagen geschaffen. Die wichtigsten frühen Schallplattenaufnahmen finnischer Künstler wurden in Deutschland produziert. Die finnischen Sängerstars der 1920er-Jahre fuhren für ihre Aufnahmesitzungen nach Berlin. Der Tenor Väinö Sola (1883–1961) nahm dort beliebte finnische Kunstlieder auf. Gleichzeitig hielt sich der beliebteste finnische Coupletsänger aller Zeiten, Johan Alfred Tanner (1884–1927), in der Stadt auf, um seine eigenen humoristischen Lieder aufzunehmen.
In der Ära der Langspielplatte weitete sich die Produktion natürlich auch in Finnland aus, aber für Spitzenkünstler war es nach wie vor am besten, bei einem internationalen Label unterzukommen, da dies weltweite Aufmerksamkeit garantierte. (PH)