Tom of Finland – Made in Germany

Tom of Finland, Untitled (Poster for Leather Weekend), 1974, Graphite on paper, 49 × 29.5 cm. Courtesy Galerie Judin, Berlin. © TOM OF FINLAND ©1974-2020 Tom of Finland Foundation; Tangermann Collection

AUSSTELLUNG.

Unter dem Pseudonym Tom of Finland stieg Touko Laaksonen (1920–1991) zu einem der bedeutendsten und einflussreichsten finnischen Künstler auf. Anlässlich seines 100. Geburtstages widmet die Galerie Judin Toms Beziehung zu Deutschland eine museale Ausstellung mit mehr als 60 internationalen Leihgaben – von denen viele erstmals öffentlich präsentiert werden.

Seinen ikonischen Darstellungen vom stolzen und lebensbejahenden schwulen Leben verdankt die internationalen Schwulenemanzipation seit den 1960er-Jahren entscheidende Impulse. Doch obwohl wir seine lustvollen Porträts von selbstbewussten Cops, Cowboys, Farmern und Männern in schwarzem Leder eindeutig mit den USA verbinden, begann Toms Aufstieg zur Schwulenikone weder in seinem Heimatland Finnland noch in den USA. Von allen denkbaren Orten waren es ausgerechnet das norddeutsche Hamburg und herausragende Persönlichkeiten der örtlichen Schwulenszene, durch die es seit den 1970er-Jahren zur allerersten Ausstellung des Künstlers, einer nach ihm benannten und mit seinen Werken ausstaffierten Bar, zwei Wandbildern und zur Entstehung der weltweit größten Sammlung seiner Werke in Privatbesitz kam. Regelmäßige Aufträge für Werbematerial für schwule Events in der Hansestadt erlaubten Tom, seinen Broterwerb in einer Werbeagentur an den Nagel zu hängen – und freischaffender Künstler zu werden. Und auch in anderer Hinsicht sollte Hamburg zum sprichwörtlichen Tor zur Welt werden: Tatsächlich wurde von hier auch Toms erste Reise in die USA in die Wege geleitet. In und von Hamburg aus traten Toms Zeichnungen – die bis dahin häufig als bloßes Reproduktionsmaterial abgetan wurden – ihren weltweiten Siegeszug als Kunstwerke an. Dass wir Tom of Finland heute als Künstler und nicht als bloßen Comiczeichner mit einem Faible für Pornografie begreifen, ist folglich nicht zuletzt Made in Germany.