• Kategorien:Literatur
  • Ort:Leipzig
  • Datum: 21.03.2019
  • Zeit:13.30 Uhr
  • Adresse:Leipziger Buchmesse, Forum Literatur, Halle 5/K600, Neues Messegelände, Messe-Allee 1, 04007 Leipzig-Wiederitzsch
  • Mitveranstalter:Botschaft von Finnland, Das finnische Buch, dtv-Verlag
  • Link:www.leipziger-buchmesse.de
  • Weitere Informationen:am Finnland-Institut: Suvi Wartiovaara, Tel. 030-40 363 18 93
  • E-mail:suvi.wartiovaara@finstitut.de
  • Eintritt:Tageskarte ab 17 EUR, siehe http://www.leipziger-buchmesse.de/Besucher/Tickets/Oeffnungszeiten-und-Preise/

René Nyberg: Der letzte Zug nach Moskau

René Nyberg. Foto: Antti Kirves

BUCHPRÄSENTATION UND GESPRÄCH im Rahmen der Leipziger Buchmesse.

Moderation: Dr. Angela Plöger

Eine außergewöhnliche Familiengeschichte. „Mutter Jüdin, aber hat die Deutsche Schule besucht.“ Diese Notiz über sich fand René Nyberg eines Tages in den Unterlagen des finnischen Außenministeriums, für das er als Diplomat tätig war. Dass seine Mutter Fanny Jüdin war, hatte er selbst erst als Jugendlicher erfahren. Viel mehr wusste er lange Zeit nicht, denn es wurde in der Familie kaum darüber gesprochen. Erst Jahrzehnte später, als er Lena, die Tochter von Fannys heißgeliebter Cousine Mascha, kennenlernte, die inzwischen in Israel lebte, beschloss er, der Geschichte seiner Familie nachzugehen. Er forschte in Archiven, befragte Zeitzeugen, sammelte verstreute Familiendokumente und studierte die einschlägige historische Literatur. So konnte er schließlich diese außergewöhnliche und abenteuerliche Familiengeschichte erzählen.

Fanny war von ihrer jüdischen Familie verstoßen und sogar für tot erklärt worden, als sie 1937 den nichtjüdischen Finnen Bruno Nyberg heiratete. Von da an gab es über viele Jahre keinen Kontakt, obwohl alle Familienmitglieder in Helsinki lebten. Alle überlebten den Krieg, denn die Juden in Finnland blieben vor der Verfolgung verschont. Anders als in Lettland. Dort in Riga lebte Mascha mit ihrem Mann Josef und ihrer Familie. Die beiden bestiegen mit zwei Koffern den letzten Zug, der noch in Richtung Moskau fuhr, zwei Tage vor dem Einmarsch der Deutschen 1941. So überlebten Mascha und Josef den Holocaust in der Sowjetunion und kehrten gegen Kriegsende wieder nach Riga zurück. Lena wurde dort als erstes jüdisches Kind nach dem Krieg geboren. Die Familie wanderte schließlich nach Israel aus, aber Josef fühlte sich dort nicht heimisch. Den letzten Teil ihres Lebens verbrachte das Ehepaar in Berlin, als deutsche Staatsbürger. – Das Buch wurde von Dr. Angela Plöger ins Deutsche übersetzt.

René Nyberg wuchs in einem zweisprachigen Umfeld in Helsinki auf und besuchte die Deutsche Schule Helsinki. Nach dem Studium an der Staatswissenschaftlichen Fakultät an der Universität Helsinki arbeitete er zunächst im finnischen Unterrichtsministerium und wechselte 1971 von dort in das Außenministerium. 1992–1995 war René Nyberg finnischer Botschafter in Wien, 2000–2004 in Moskau und 2004–2008 in Berlin. Danach wurde er zum Geschäftsführer des East Office of Finnish Industries berufen, einer Organisation mit dem Ziel der Pflege der finnisch-russischen Beziehungen auf dem Gebiet der Wirtschaft und Politik. Diesen Posten hatte er bis 2013 inne.

Weitere Termine der Buchpräsentation im Rahmen der Buchmesse (Auswahl “Literatur”)

Blog-Interview mit der Übersetzerin des Buches Dr. Angela Plöger