Bewegung zwischen Zerbrechlichkeit und Monumentalität

Publiziert: 4.12.2015
Autor: Celia Hillo
Kategorien: Darstellende Kunst
Szene aus „Personal Symphonic Moment“, Foto: Timo Wright

Elina Pirinen ist eine Mehrspartenkünstlerin, für deren Schaffen u.a. die Sehnsucht nach Schönheit, wilder Humor und eigentümliche Logik charakteristisch sind. Ihre im August im Rahmen des ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival mit dem Casinos Austria Prix Jardin d’Europe ausgezeichnete Choreografie Personal Symphonic Moment ist Teil des Nordwind-Festivals.

Wie würden Sie Personal Symphonic Moment beschreiben?

Personal Symphonic Moment handelt vom Verhältnis zwischen Zerbrechlichkeit und Monumentalität. Das Stück zielt darauf ab, die paradoxe Beziehung des Menschen zu sich selbst herauszuarbeiten, zu den umgebenden Realitäten, zu seiner Psyche, seinem Körper, seiner Sexualität, seiner Ehrlichkeit und seiner Zeitlichkeit. Der thematische Fokus ändert sich außerdem für mich, da das Stück ja schon so oft aufgeführt wurde.

Wie ist das Stück entstanden?

– Ich wollte für eine anspruchsvolle, dichte musikalische Struktur einen wilden körperlichen und gedanklichen Prozess schaffen und habe dafür Schostakowitschs 7. Sinfonie gewählt. Als Choreografin ist es mir wichtig, ein Werk zusammen mit klugen, kühnen, zarten, gefühlvollen und zu schwarzem Humor fähigen Menschen zu schaffen, die in ihrer Praxis eine starke Haltung zeigen. Personal Symphonic Moment entstand zwei Jahre vor der Premiere im Helsinkier Zodiak Centre for New Dance 2013. Dass wir so lange Zeit zusammen daran gearbeitet haben, schuf die Möglichkeit, in Bezug auf die Komposition eine Bühnenrealität zu schaffen, die sehr eigenständig, aber doch werkgetreu ist.

Sie sind Choreografin, Tänzerin, Singer-Songwriterin. Gibt es in Ihrem künstlerischen Ausdruck eine besondere Grundlinie, beispielsweise bestimmte Themen?

– Sowohl auf der Bühne als auch beim Schreiben von Musik bewege ich mich unter anderem in und um folgende Gesichtspunkte: den Horizont des menschlichen Unterbewusstseins, Romantik, Ausprobieren und Nachdenken durch Körperlichkeit, Sehnsucht aus extremster Verwundbarkeit als jemand, der an der Welt, der Wirklichkeit, dem Lebensklima und der Gesellschaft mitwirkt, wilden Humor, eigentümliche Logik, Verständnis für Klassisches, den Drang nach schmerzender Schönheit.

Wie ist das Arbeiten als Mehrspartenkünstlerin im heutigen Finnland?

– Bei mir läuft es gut. Vielleicht bin ich ziemlich kompromisslos und eifrig in dem, was ich tue, und reflektiere es tief und aus vielen Perspektiven. Ich achte genau darauf, dass das, was ich mache, in seiner eigenen Logik und Welt mit anderen kommuniziert. Meine Erfahrung ist, dass man einen künstlerischen Stoff besser kommunizieren kann, je persönlicher er ist. Es geht ja darum, wie man diesen persönlichen Stoff aufbereitet und in Szene setzt. Das erfordert vom Künstler auch den Mut, sich täglich in unterschiedlichen Zusammenhängen mit den eigenen Seiten seines Menschseins ehrlich auseinanderzusetzen.

Letztes Jahr haben Sie den Preis Critics Spurs des finnischen Kritikerverbandes erhalten. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

– Einige Kollegen meinen, dass dies dem Stück mehr Zuschauer bringt. Preise interessieren die Menschen, was irgendwie ziemlich schrecklich ist. Dass ich von ganz bestimmten Menschen einen Preis bekommen habe, ist andererseits einfach schön. Es ist toll, dass jemand die genaue und unserer Meinung nach persönliche Denkweise erkannt hat, die unsere Arbeitsgruppe in Bezug auf die Welt zwischen Musik, Sprache und Körperlichkeit geschaffen hat.

Das Interview führte Celia Hillo.

Übersetzung aus dem Finnischen (gekürzte Fassung): Marion Holtkamp

5.12.2015, 19 Uhr Bern/Dampfzentrale: Personal Symphonic Moment im Rahmen des Nordwind-Festivals

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