Mooses Mentula, Foto (Ausschnitt): Veikko Somerpuro
LESUNG UND GESPRÄCH.
Moderation: Petra Sauerzapf-Poser
Die Fabrik ist ein intensiver Roman über den Wiederaufbau Finnlands nach dem Zweiten Weltkrieg: die Suche nach Gemeinschaft zwischen Trümmern und Aufbruch, Klassenunterschieden und Versöhnung – und den ungebrochenen Lebenswillen als solches. Das finnische Original Toiviokoski, 2023 bei WSOY erschienen, wurde von Stefan Moster ins Deutsche übertragen.
Finnland in den 40er-Jahren: Vilhos und Elsas Träume sind bescheiden, aber trotzdem nicht leicht zu erfüllen. Aus armen Verhältnissen stammend konnten sie keine höhere Schule besuchen, und Vilho kommt versehrt aus dem Krieg zurück. Er hat die linke Hand verloren, was ihn auch seelisch belastet: Er kann nicht mit eigenen Händen ein Haus bauen. Neben Rückblenden zu Vilhos und Elsas Herkunft sowie Vilhos Kriegserlebnissen erzählt der Roman davon, wie sich das junge Paar seine Zukunft aufbauen möchte: Vilho und Elsa ziehen in eine Stadt mit Papierfabrik, deren Schornstein als Symbol des Wohlstands, an dem alle teilhaben können, in den Himmel ragt. Vilho muss hart arbeiten, ist aufgrund seines Handicaps aber überfordert. Stolz, Trotz und Medikamentensucht ziehen ihn in eine Abwärtsspirale, aus der er nur mit Hilfe seiner Frau, seiner Tochter und seiner Kollegen herauskommt. Dann findet er Arbeit bei der Belegschaftszeitung und es geht allmählich aufwärts – aber es entstehen auch neue Konflikte mit der Werksleitung wie mit den Kollegen…
Mooses Mentula, geboren 1976 im ländlichen Osten Finnlands, hat einige Jahre lang in Lappland gelebt und wohnt heute in Tuusula im Süden Finnlands. Nach mehreren Jahren als Nachrichtenredakteur arbeitet er heute als Rektor einer Schule sowie als Schriftsteller. Sein Werk umfasst einen Band mit Erzählungen und vier Romane. Bei Weidle sind in deutscher Übersetzung die Romane Nordlicht – Südlicht (2014; übersetzt von Antje Mortzfeldt) sowie Der Schildkrötenpanzer (2022; übersetzt von Stefan Moster) erschienen.