AUSSTELLUNG, kuratiert von Mirjami Schuppert.
9.6., 19 Uhr | Artist Talk mit Kaarina-Sirkku Kurz
Das Finnland-Institut präsentiert in seiner Ausstellung fotografische Arbeiten sowie auf Fotografie basierende Werke von Kaarina-Sirkku Kurz. Es handelt sich um eine Auswahl aus in den letzten Jahren entstandenen Werkreihen, die die stets gegenwärtige Auseinandersetzung mit Materialität im Schaffen der Künstlerin aufgreifen.
Wie nähert man sich dem Unaussprechlichen an? Wie kann man Immaterielles berühren?
In den Bildern der Werkreihe Supernature verselbstständigen sich Dinge und lösen sich, scheinbar freigestellt, aus ihrer ursprünglichen Umgebung. Sie erscheinen entrückt und zugleich vertraut. Auch die durch plastische Chirurgie vom Körper getrennten Fragmente werden in diese Schwebe versetzt. Der enge Bildausschnitt intensiviert ihre Erscheinung als isolierte, nicht eindeutig zuordenbare Formen.
Einige nicht zusammengehörende Gegenstände, von einer kräftigen Farbe umrahmt, sowie die Fotografie einer verwaisten Zimmerpflanze als ungerahmter Silbergelatine-Abzug füllen eine Leere und schaffen Platz für das, was kommen mag. In Vom Fremdsein in der Welt findet die Abwesenheit eines menschlichen Körpers und jeglicher Verbindung zu anderen Menschen Ausdruck im Arrangieren von Gegenständen – und führt somit zu einer Neuordnung der Dinge und Gedanken.
Die Werke in Reaching, Grasping, Wondering greifen – durch ihre geteilte materielle Präsenz – geradezu sehnsüchtig nacheinander.
Kurz‘ neueste Werkreihe Soft Code ist noch im Entstehen: Die textilen Arbeiten distanzieren sich von der Fotografie im Sinne eines Abzugs. Die glatte, wenn nicht gar kalte Oberfläche einer Fotografie wird hier durch handgewebte Textilien herausgefordert, deren Muster aus dem Binärcode der Selbstporträts der Künstlerin entsteht. Die gewebten Werke trotzen der Zweidimensionalität. Sie reduzieren die Fotografie und isolieren ihre Details, wodurch ein abstraktes Kontinuum von Zeichen entsteht, das eine physische Form für die scheinbare Immaterialität des Digitalen schafft.
Indem Ganzheiten in ihre Einzelteile zerlegt werden, voneinander isoliert und neu zusammengefügt werden, halten die Werke der Künstlerin inne, um allgegenwärtige Dinge und Phänomene auszukundschaften, welche stets da sind, aber dennoch nie ganz erfasst werden können; sie wollen einfach keine feste Form annehmen. Diese Fotografien streben nach etwas geradezu Unerreichbarem und hinterlassen dabei den Hauch einer Berührung.
Die Künstlerin Kaarina-Sirkku Kurz lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte Fotografie in Bremen, Lahti und Helsinki und schloss ihr Studium an der Aalto University School of Arts mit einem Master of Arts ab (2013). Zu ihren Ausstellungsorten zählen u.a. die Baumwollspinnerei in Leipzig (2025), Haus am Kleistpark in Berlin (2023), das Sprengel-Museum in Hannover (2022), die Fotogalerie Hippolyte in Helsinki (2020), das NRW-Forum Düsseldorf (2020), The Finnish Museum of Photography (2013) und C/O Berlin (2013). Sie erhielt Auszeichnungen wie den Nordic Dummy Award und Finnisches Fotobuch des Jahres sowie Stipendien der Kone Foundation, der Stiftung Kunstfonds, der Finnish Cultural Foundation und des Arts Promotion Centre Finland.
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Zum Visiting Art/ist-Programm des Finnland-Instituts: Die erste Präsentation fand 2015 statt. Schon damals bot das Programm ausgewählten in Berlin lebenden Künstler*innen aus Finnland die Möglichkeit, ihre Arbeiten dem Publikum des Instituts zu präsentieren. Inzwischen wurde das Format strukturell weiterentwickelt; die Grundidee besteht jedoch weiterhin darin, zeitgenössische Kunst aus Finnland insbesondere Kunstfachleuten vorzustellen, um die internationale Anerkennung und Sichtbarkeit der Künstler*innen zu erhöhen und im besten Fall fruchtbare Folgeprojekte zu bewirken.