Dr. Laura Hirvi © Finnland-Institut/Bernhard Ludewig

Siegerkunst

In den letzten Monaten überschlugen sich die Nachrichten von Rekordsummen, die bei Auktionen für Gemälde gezahlt wurden. Im Mai 2018 wurde zum Beispiel ein Werk des Künstlers Amedeo Modigliani für 157 Millionen Dollar bei einer Auktion von Sotheby’s in New York versteigert.1 Ist das „Siegerkunst“? Wer ist hier der Gewinner? Der Künstler, das Auktionshaus, der Verkäufer, oder gar der Käufer des Kunstwerks? Und wer hat verloren?

Themen wie diese wurde von dem Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich, den Kuratoren Arja Miller und Khairuddin Hori sowie der Leiterin der Kunsthalle Mannheim Ulrike Lorenz bei einer Podiumsdiskussion beim Art. Talking Business. Forum in Berlin Ende April 2018 diskutiert.2 Zentral ging es um die Frage, was „Siegerkunst“ ausmacht und wie Museen mit dieser Art von Kunst umgehen.

Ullrich definiert „Siegerkunst“ als Kunst, die mit einem hohen „Preisschild“ einhergeht und global erfolgreich ist. Ein typisches Beispiel hierfür wäre die Kunst von Jeff Koons, der es geschafft hat, eine erfolgreiche Marke zu etablieren. Er zählt zu der Gruppe der teuersten lebenden Künstler. Aber auch das zuvor erwähnte Beispiel von Amedeo Modigliani würde in die Kategorie der Siegerkunst fallen, Dank des rekordhaften Verkaufspreises.

Auf Auktionen gelangen Werke, die für solche Rekordsummen versteigert werden, oft in den Besitz privater Sammler, weil Museen bei Preisklassen wie diesen selten mitbieten können. Eine Ausnahme ist in dieser Hinsicht ein Werk von Leonardo Da Vinci, das für 450 Million Dollar für den neuen Louvre in Abu Dhabi ersteigert wurde.3

In diesem Fall ist das Kunstwerk in einem öffentlichen Museum gelandet, und damit sichtbar und zugänglich für ein breites Publikum. Wenn aber Kunstwerke für private Sammlungen gekauft werden, dann ist das nicht automatisch der Fall – außer, wenn die Sammlungen zugänglich gemacht werden. Dies ist zum Beispiel bei der Sammlung Boros mit ihrem charakteristischen Bunker-Gebäude in Berlin der Fall.4

Wenn Museen also nicht mehr mit privaten Sammler mietbieten können, bleibt die Frage, welche Auswirkungen dies auf die Kunstgeschichte von morgen haben wird? Welche Kunstwerke bleiben bestehen, welche Art von Kunst wird gefördert und archiviert? Wer hat Zugang zu den Kunstwerken, wer darf sie sehen und wer nicht?

Und welche Rolle können die Museen in diesem Spiel einnehmen? Arja Miller vom Museum für moderne Kunst EMMA sieht es als Aufgabe und auch als Möglichkeit, dass Museen verschiedene Kunstformen zeigen. Hierzu zählen für sie zum Beispiel große Installation oder Performances, die es oft schwerer haben, die Riege der Siegerkünstler zu erklimmen. Museen sind also verantwortlich, die Diversität der Kunst aufrechtzuerhalten und sie dem Publikum zu vermitteln.

Um einem „Ausverkauf der Kunst“ entgegenzuwirken und national bedeutendes Kulturgut zu schützen, wurde 2016 das Kulturgutschutzgesetz in Deutschland erneuert. Deutsche Galeristen sahen den Kunsthandel dadurch eingeschränkt und bedroht, aber Kulturstaatsministerin Monica Grütters betrachtete es als eine wichtige Maßnahme.5

Ulrike Lorenz, Leiterin des Kunsthalle Mannheim, bleibt optimistisch: Am Ende landet die Kunst dann doch immer im Museum!

 

1 https://www.monopol-magazin.de/modigliani-gemaelde-fuer-157-millionen-dollar-versteigert

2 Das Art. Talking Business. Forum wurde im Rahmen des Gallery Weekend Berlin 2018 gemeinsam mit dem Finnland-Institut in Deutschland durchgeführt. Die Diskussion fand, moderiert von Julia Voss, in englischer Sprache statt und ist hier zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=sQWL3nckJXI

3 https://yle.fi/uutiset/3-9969357

4 https://www.sammlung-boros.de

5 http://www.dw.com/en/germany-passes-law-to-keep-art-of-national-value-in-the-country/a-19350687

Dr. Laura Hirvi ist seit 2015 Leiterin des Finnland-Instituts.

Laura Hirvi on toiminut vuodesta 2015 Suomen Saksan-instituutin johtajana.