Kodieren schon als Vierjähriger?

Publiziert: 4.11.2014
Autor: Anna Saraste
Kategorien: Bildung

Wäre auch Ihr vierjähriges Kind in der Lage zu programmieren? Wieso sollten Kinder Programmieren und das Lesen von Codes verstehen?

Anni Kervinen aus dem finnischen Softwareunternehmen Futurice erzählt, wieso das Unternehmen Codeschulen veranstaltet, und das auch für Kinder, die noch nicht einmal Lesen gelernt haben.

Worum  geht es eigentlich bei einer Codeschule?

In unserer Codeschule können Kinder das Programmieren selbst ausprobieren und sehen selbst, wie der Computer nach ihren Befehlen beispielsweise ein Rechteck oder eine Sonne zeichnet. Das Ziel der Codeschule ist es, in den Kindern Interesse daran, was hinter den Spielen und Programmen geschieht, zu wecken.

Die Digitalisierung durchdringt unsere Gesellschaft, und immer mehr wird in der digitalen Welt gemacht. Nur zu lernen wie die Geräte funktionieren wäre dasselbe, als würde man einem Kind beibringen zu lesen, ohne an das Schreiben zu denken. Alle müssen nicht zu Spitzenprogrammierern werden oder sich für die Programmierbranche entscheiden, aber wir hoffen einen Funken zu wecken, so dass es später einfacher ist wieder zu dem Programmieren zu finden.

Außerdem haben wir Spaß in der Codeschule, und durch das Programmieren erschaffen die Kinder etwas, was sie mit ihren eigenen Augen sehen können.

Wer kann an der Codeschule teilnehmen?  

Alle Kinder von 4 bis 9 Jahren.

Wie wurde die Codeschule erfunden? Wer hat sie entwickelt?

Juha Paananen, Angestellter bei dem Technologieunternehmen Reaktor, hat angefangen seiner Tochter das Programmieren beizubringen, und über dieses Projekt schreibt er einen Blog namens „Girls can’t code“. Er wollte das Denken, nach dem Kinder nicht programmieren wollen oder können, umkrempeln. Viele Akteure aus der Programmierbranche haben Codeschulen in ihren Räumlichkeiten veranstaltet. Das von Paananen entwickelte Lernprogramm „Turtle Roy“ ist ein Open Source Programm und wird auch in unserer Schule verwendet.

Wie kann ein Kind lernen zu programmieren, wenn es noch nicht einmal lesen kann?

Wir verwenden Hilfszettel, auf die Buchstaben gezeichnet sind. Beim Programmieren symbolisieren Buchstaben eine gewisse Aktion. In der Praxis nimmt ein Kind schon in sehr jungem Alter wahr, in welche Richtung sich etwas dreht und welches Symbol dieser Bewegung gegeben werden kann. Auf diese Weise kann beigebracht werden, dass der eingetippte Befehlt „RT“ eine Drehung nach rechts bedeutet.

Wieso sollten Kinder das Programmieren verstehen?

Kinder müssen das Programmieren nicht besonders tiefgehend verstehen, aber ich halte es für wichtig, dass Kinder das Thema kennenlernen. Die digitale Welt ist schon weit verbreitet, und durch das Lernen von Code können Kinder Einfluss darauf haben, was für Programme sie verwenden. In gewisser Hinsicht ist unser Zweck das Wissen darüber, was ein Ipad ist oder was die Programme darauf sind, zu vertiefen.

In der Zukunft werden immer mehr Dinge digital oder hinter digitalen Dienstleistungen zu erreichen sein. Man muss früh mit dem Digitalen vertraut werden, um nicht nur diese Dienstleistungen zu nutzen, sondern diese auch aktiv entwickeln und verbessern zu können.

Als eines der ersten Länder weltweit wurde in Finnland das Programmieren in den neuen Lehrplan, der 2016 in Kraft treten wird, eingetragen. In Finnland wird das Digitale als ein Teil der Grundbildung verstanden. Bei uns wird das Digitale auch wegen unserer Wirtschaftsstruktur hoch geschätzt: in der IT-Branche und Programmentwicklung wird ständig auf neue Innovationen gewartet.

Was erwarten Sie von der Berliner Codeschule?

Ich bin aufgeregt, denn Kinder werden in drei verschiedenen Sprachen eine gemeinsame Sprache lernen,  nämlich die Sprache von Code. Ich hoffe viel Enthusiasmus und Spaß am Lernen zu sehen!

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Die Codeschule von Futurice, der Finnische Sprachschule Berlin und dem Finnland-Institut wird am 9. November 2014 von 11 bis 13 Uhr in den Räumlichkeiten des Finnland-Instituts veranstaltet. Auskunft: emma.aulanko@finstitut.de

Übersetzung des Blogtextes aus dem Finnischen: Meri Holmela

(c) Carolin Trzaskowski / Kaasa Health
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