Eine Reise nach innen

Publiziert: 6.04.2016
Autor: Celia Hillo
Kategorien: Bildende Kunst

Sechs verschiedene Künstler_innen, sechs höchst unterschiedliche Stile, werden in der Ausstellung Pilgrimage. Wege nach Wiepersdorf präsentiert. Das verbindende Element ist das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, in dem alle Künstler_innen als Gäste residiert haben. Vor allem die wilde Natur und das Gefühl von Einsamkeit haben ihre Arbeit dort geprägt.

Zwischen 2007 und 2015 verbrachten Elina Julin (Fotografie), Tomi Räisänen (Komposition), Jarkko Räsänen (Videokunst), Tiina Raitanen (Installation), Mia Saharla (Malerei) und Elsa Salonen (Installation) jeweils mehrere Monate in Wiepersdorf, etwa 100 Kilometer entfernt von Berlin.

Die Kunsthistorikerin Dr. Sabine Meister, die 2015 auf Einladung der Kone-Stiftung im Gutshaus Saari (Mynämäki/Südwestfinnland) am Summer Well „Locality, Migration and Residencies“ teilnahm, kuratiert die Ausstellung. Sie beschreibt Wiepersdorf als ein kleines, in Natur eingebettetes Paradies, das viel Inspiration bietet.

–    Um das Schloss herum liegt ein wunderschöner Park, der von wilder Natur umgeben ist. Diesen Übergang von Kultiviertem in das Wilde haben mehrere Künstler_innen sehr spannend geschildert.

Ein wichtiges Erlebnis

Ausstellungskuratorin Sabine Meister beschreibt die Arbeit mit den Künstler_innen als spannend, faszinierend und menschlich sehr angenehm. Sie war mit allen im intensiven E-Mail-Austausch und hat Elsa Salonen und Tiina Raitanen in ihren Ateliers besucht.

In den Gesprächen mit den Künstler_innen wurde klar, dass die Residenz für alle ein wichtiges Erlebnis war. Jedoch betont Frau Meister, dass sechs Künstler_innen sechs verschiedene Haltungen vertreten und jeweils unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.

Eine von ihnen hat zum Beispiel, nach intensivem Arbeiten vor der Residenz, den Kern ihrer Arbeit lange gesucht und schließlich gefunden. Eine andere, die sich mit der Landschaft beschäftigen wollte, hat das Licht gefunden. Ein Dritter dachte am Anfang, dass die Natur ihm etwas Böses wolle, und fand die Umgebung unglaublich leise, bis er seine Ohren öffnete.

Freiheit und Herausforderungen

Der Titel der Ausstellung, Pilgrimage (dt. Pilgerreise), knüpft an das Thema Mobilität an, das sich wie ein roter Faden durch das Programm des Finnland-Instituts zieht. Er drückt eine Bewegung aus und bezieht sich auf den Prozess des Weggehens, die Reise von einem Ort zum anderen. Diese Reise führt zur Ruhe und Konzentration und bietet die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken.

–    Die Residenz bedeutet Abwesenheit des normalen Alltags und Freiheit von Organisation. Sie ist ein Prozess, während dessen die Künstler_innen viel über sich selbst und ihre Kunst nachdenken können. Nicht nur, weil sie Zeit haben, sondern auch, weil sie den anderen Residenzkünstler_innen ihre Kunst vorstellen sollen und sie sich als Kollegen austauschen.

Laut Frau Meister fällt eine Residenz jedoch nicht unbedingt leicht, vor allem denen nicht, die Kinder haben. Auch Heimweh und Sprachverständnisprobleme können entstehen und manchmal ist es eine Herausforderung, über mehrere Monate an die anderen Residenzkünstler_innen gebunden zu sein.

–    Auf der anderen Seite gibt es die Möglichkeit, großartige Freundschaften zu schließen, stellt Frau Meister fest.

Das Gespräch führte Celia Hillo.

Dr. Sabine Meister ist auch Diskutantin beim Podiumsgespräch Künstlerresidenzen: wie, wo, wofür und für wen? am 12.5.2016 im Finnland-Institut.

Dr. Sabine Meister, Foto: Rolf Schulten
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