Zukunftsforschung als Weg in eine bessere Zukunft?

Publiziert: 8.06.2016
Autor: Sari Söderlund
Kategorien: Gesellschaft, Politik, Sonstiges, Wissenschaft

Sari Söderlund, Projektkoordinatorin der Universität Turku, wirkte im März 2016 als Gastforscherin am Finnland-Institut. Sie ist an der Akademie für Zukunftsforschung (Finland Futures Academy) der Universität Turku tätig, deren Aufgabe darin besteht, dafür zu sorgen, dass die Zukunftsforschung an den Universitäten Finnlands vertreten ist. In ihrem Artikel beschreibt sie Forschung und Lehre der Zukunftsforschung in Deutschland und Finnland.

Die Zukunftsforschung betrachtet, was in der Zukunft möglich, wahrscheinlich oder zu vermuten und was erwünscht oder unerwünscht ist. Ziel ist es, die Entwicklung hin zu einer möglichst den Wünschen gemäßen Zukunft zu fördern. Der kürzlich an der Universität Turku gegründete UNESCO-Lehrstuhl schafft einen Rahmen für die europäische Zusammenarbeit. Dieses Projekt bringt die Zukunftsforschung in die verschiedensten Ecken der Welt – an Orte, wo man insbesondere ihre Hoffnung schaffende Wirkung braucht.

In Finnland ist die Zukunftsforschung eine Disziplin der Universität Turku. Im weltweiten Vergleich sind die einschlägige Grundlagenforschung und -ausbildung in Finnland ziemlich weit entwickelt. Außerdem arbeiten die finnischen Zukunftsforscher eng mit dem Zukunftsausschuss des Parlaments von Finnland zusammen, was außerhalb Finnlands oft Interesse hervorruft, auch während meines Aufenthalts in Berlin. Es ist äußerst spannend, die Ähnlichkeiten und Unterschiede der Zukunftsforschung in Finnland und Deutschland zu beobachten. In diesem Blogbeitrag betrachte ich zwei in Berlin tätige Einrichtungen der wissenschaftlichen Zukunftsforschung: den Arbeitsbereich Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin (FU) und das Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT).

Die Zukunftsforschung basiert auf dem Bedarf, Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen langfristig sind. An der FU werden Lehre und Forschung in Feldern wie Klimaforschung, Technikfolgenabschätzung, Forschung zum demografischen Wandel und Unternehmensentwicklung durchgeführt. Der weitere Referenzrahmen ist die immer komplexere Gesellschaft, die u.a. in den Gebieten Wirtschaft, politische Partizipation, Umwelt und Kultur robuste Innovationen erfordert. Mit Bachelorabschluss und nach Ableistung eines mindestens 12-monatigen Berufspraktikums kann man sich für den Masterstudiengang Zukunftsforschung an der FU bewerben.

Das IZT ist eine selbstständige und gemeinnützige Forschungseinrichtung, die Firmen, weitere Organisationen und Behörden als Kunden hat. Es arbeitet eng mit dem Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag zusammen. Zur entsprechenden Einrichtung auf europäischer Ebene, dem Netzwerk EPTA (European Parliament Technology Assessment, dt. Technikfolgenabschätzung des Europäischen Parlaments), gehört auch der Zukunftsausschuss des Parlaments Finnlands. Das IZT hat drei hauptsächliche Themenbereiche: Zukunftsforschung und Partizipation, Nachhaltigkeit und Transformation sowie Technologie und Innovation. Der durch den Kunden definierte Forschungsgegenstand wird der Fachmethodik gemäß transdisziplinär in Rahmen von Megatrends untersucht. Unter einem Megatrend versteht man ein Phänomen, das für eine generelle Tendenz oder Qualität der Zukunft steht. Zu den Themen zählen u.a. Energie, Infrastruktur und Mobilität, Zukunftsmärkte, Produkt- und Dienstleistungsentwicklung sowie Technikfolgen und soziale Innovationen.
Die beiden Berliner Forschungsinstitute liegen in einer eher untypischen universitären Umgebung: Statt auf dem Campus arbeiten die Wissenschaftler in einem geradezu gemütlich anmutenden Einfamilienhaus mit Garten. Die Bibliothek mit vollen Bücherregalen strahlt eine Atmosphäre vergangener Zeiten aus. Besonders sticht das European Journal of Futures Research EJFR – der ganze Stolz der Zukunftsforschung an der FU –in der Bibliothek, wo ich mit Bernd Stegmann, dem dortigen Koordinator, tagte – hervor.

Der Besuch des IZT begann in der Gruppe der ungefähr zehn anwesenden Wissenschaftler mit angenehmer Plauderei, die in eine leidenschaftliche Diskussion überging. Die Themen wechselten von Methoden der Zukunftsforschung zur nachhaltigen Wirkung der verschiedenen Anwendungsgebiete auf die Gesellschaft. Wenn von globalen Problemen die Rede ist, sollten die europäischen Forscher lieber gemeinsam als allein auftreten. Ich bin generell der Ansicht, dass die Wissenschaftsgemeinschaft sich stärker in gemeinsamen Bemühungen und Zusammenarbeit engagieren sollte.

Dem Personal des Finnland-Instituts danke ich herzlich für die Kollegialität und die schöne Arbeitsumgebung. Und Cornelia Daheim von Future Impact Consulting möchte ich für die guten Hinweise danken!

– Sari Söderlund, Universität Turku

Übersetzung aus dem Finnischen: Heidi Santakari

Links zur Zukunftsforschung in Finnland:
Netzwerkakademie der Zukunftsforschung
Finland Futures Research Centre
Universität Turku
Masterstudiengang Zukunftsforschung an der Universität Turku
Doktorstudiengang der Handelshochschule von Turku

Zukunft in Berlin. Foto: Sari Söderlund
Background image